Guter Start – überflüssige Fortsetzung

Die Selection-Reihe spielt im Königreich Illeá. Dies liegt in dem dystopischen Roman im Amerika der Zukunft. Die Gesellschaft ist in Kasten eingeteilt, ein Königshaus regiert das Land. Den ersten Band der Selection-Reihe habe ich hier bereits rezensiert und ich fand die Story wirklich überraschend neu und interessant. In den ersten drei Bänden der fünfteiligen Serie geht es um ein Casting, bei dem der Prinz von Illeá unter den Frauen des Königreiches seine Braut sucht. Es war romantisch und süß, wie sich die Liebesgeschichte zwischen Maxon und der Hauptfigur America Singer wohl entwickeln mag – und ob sie sich überhaupt entwickelt. Kurzum: Ich habe die drei ersten Teile verschlungen.

Nun haben AutorenSelection -  Die Kronprinzessin manchmal die unselige Eigenschaft, erfolgreiche Romane weiterzuführen. Kiera Cass setzt im vierten Band der Selection-Reihe und erzählt die Geschichte der Kronprinzessin, Maxons Tochter Eadlyn. Und diese Protagonistin ist nun gar nicht so sympathisch, wie einst America Singer. Eadlyn ist eine verwöhnte, zickige und nur aufs oberflächliche bedachte Prinzessin, die ganz nebenbei von Papa im Regieren ausgebildet wird. Und weil das Land immer noch unruhig ist, soll auch Töchterchen ein Casting machen, um ihren Traumprinzen zu finden. Da hat Eadlyn natürlich gar keine Lust drauf – lässt sich aber unter Gemecker und Gezicke doch noch von ihren Eltern überreden. Mehr schlecht als recht macht sie also beim Casting mit. Bei einer Parade wird sie allerdings vom Volk mit fauligem Obst beworfen und ihr Zwillingsbruder steckt ihr irgendwann sehr direkt, wie wenig das Volk sie mag, weil sie eben so ein oberflächlichesSelection - Die Krone Prinzesschen ist.

Es kommt wie es kommen muss: Der Verlauf der Geschichte ist einfach unglaublich flach, unglaubwürdig und vorhersehbar. Eadlyn merkt selbst, wie oberflächlich und verwöhnt sie ist, weint ein bisschen – und ändert sich total. Sie ist nett zu den Männern, wundert sich, dass alle nett zu ihr sind. Wird seriös und toll und lieb und nett und denkt an das Volk und an alle und sowieso. Sie wird nebenbei noch schnell innerhalb von einer Woche zur Königin gekrönt und findet überraschend ihren Traumprinzen. Der eigentlich gar nicht so überraschend war. Aber hier fehlt die witzige, romantische Liebesgeschichte und das Genecke, das die Geschichte von America Singer und Maxon ausgemacht hat. Die Geschichte ist einfach nur flach, Eadlyn ist völlig unglaubwürdig – vor allen Dingen in ihrem plötzlichen Gesinnungswandel. Und auch die Handlung an sich ist schlicht unglaubwürdig – wer das Ende gelesen hat, weiß schnell was ich meine.

Also mein Fazit: Wer ein bisschen romantische Unterhaltung mit Humor sucht, der sollte zu den ersten drei Bänden greifen. Die kann ich nur empfehlen. Die Fortsezungen mit Töchterchen Eadlyn sind meiner Meinung nach aber völlig überflüssig und ergänzen bei mir einfach nur die Reihe. Den letzten Band mochte ich schon gar nicht mehr – ahbe ihn aber der Vollständigkeit halber zu Ende gebracht.

Lob aber an das Cover: Die sehen genauso schick aus, wie die Buchcover der ersten drei Bände. Sieht im Regal also nett aus. Außen also hui und passend zur Prinzessinnen-Geschichte.

Die Selection-Reihe:

  1. Selection
  2. Selection – Die Elite
  3. Selection – Der Erwählte
  4. Selection – Die Kronprinzessin
  5. Selection – Die Krone

von Kiera Cass
erschienen im FISCHER Verlag

Tolles Weihnachtsgeschenk für Potter-Fans

Pünktlich vor Weihnachten ist auch in diesem Jahr wieder ein wundervoller Schmuckband der Harry Potter-Reihe erschienen. Echte Potter-Fans freuen sich sicherlich, wenn das Buch unter dem Weihnachtsbaum liegt. Schaut doch einfach selbst mal hinein und lasst euch von den liebevollen, detaillierten Zeichnungen mit in die Welt der Zauberer nehmen.

hpDer Schmuckband enthält die Geschichte von Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Auf vielen Seiten sind die altbekannten Texte aber ergänzt mit Zeichnungen von Jim Kay. Er zeigt mit Farbe und Liebe zum Detail, wie er sich verschiedene Szenen in Harry Potter vorstellt. Hier und da ein kleiner Tintenklecks oder kleine Symbole sorgen für Farbe, wo es mal keine große Zeichnung gibt.

Mit dieser neuen, besonderen Auflage des zweiten Bands kann ich jedenfalls nochmal völlig neu in die zauberhafte Welt rund um Harry, Ron und Hermine eintauchen.

Mich hat Harry Potter durch meine Jugend begleitet. Ich lese viel und gerne, aber nie wieder hat mich ein Buch so gefesselt. Nie wieder gab es ein Buch, bei dem ich mich so auf die Veröffentlichung der Fortsetzungen gefreut habe, dass ich die Bücher direkt um Mitternacht am Erscheinungstag haben musste. Jeder, der, ebenso wie ich, in seiner Jugend mit Harry Potter aufgewachsen ist, weiß genau, was ich meine.

Deshalb habe ich mich im vergangenen Jahr auch so gefreut, als Harry Potter und die Kammer des Schreckens – der erste Band der Reihe – als illustriertes Exemplar auf den Markt kam. An Weihnachten habe ich vergeblich auf ein Päckchen im passenden Format gewartet und es mir dann eben direkt nach dem Weihnachtsfest selbst geschenkt. Ich habe mich vom ersten Moment an in dieses Buch verliebt und es hat direkt einen Ehrenplatz in meinem Regal bekommen. Und ich habe schon das ganze Jahr gehofft, dass auch die anderen Bände als Schmuckausgabe mit wundervollen Illustrationen erscheinen und mir genauso viel Freude bereiten. Ich wurde auf keinen Fall enttäuscht. Auch diesmal hat Jim Kay wieder ein besonderes Lese-Erlebnis geschaffen, bei dem es auf jeder Seite viel zu entdecken gibt.

Das Buch ist übrigens wieder nicht nur schön anzuschauen, sondern auch schön anzufassen. Es hat eine angenehme Haptik, einen hochwertigen, weichen Umschlag und einen Qualitäts-Druck auf hochwertigem Papier. Das Geld für die Schmuckausgaben lohnt sich daher meiner Meinung nach auf jeden Fall – auch wenn man die Bücher schon seit Jahren im Schrank stehen hat.

1. Harry Potter und der Stein der Weisen als Schmuckausgabe
2. Harry Potter und die Kammer des Schreckens als Schmuckausgabe

Locked in – Wachkoma nach einer grausamen Tat

Gekauft habe ich Locked in wegen des sofort ins Auge stechenden, blau-schwarzen Covers. Nach wenigen Seiten hatte mich auch der Inhalt in den Bann gezogen.

Zum Inhalt: Alex ist eine Journalistin, einst sehr erfolgreich. Mittlerweile aber nur noch erfolgreich am Glas. Einen tollen Job und einen tollen Mann hat sie dadurch verloren. Sie hangelt sich von Tag zu Tag und von Freelance-Job zum nächsten. Bis sie auf den Fall Amy Stevenson trifft. Die junge Frau ist genauso alt wie Alex, liegt aber schon seit Jahren im Wachkoma – seit einer Vergewaltigung und einem versuchten Mord. Niemand kann zu der Frau durchdringen. Nur Alex glaubt, dass Amy auf sie reagiert – und schon befindet sie sich mitten in der Geschichte der regungslosen Amy und versucht herauszufinden, was damals geschah.

Meine Meinung: Ja, wieder einmal eine Protagonistin mit massiven persönlichen Problemen. Gehört leider in dem Genre mittlerweile zum guten Ton… Ist ja beim Tatort nicht anders… Aber abgesehen vom Alkoholproblem von Alex ist die Story sehr spannend und mir so noch nicht unter die Augen gekommen. Ein Opfer, das im Wachkoma liegt und nur auf sehr wenige Reize reagiert – und eine hartnäckige Journalistin, die wissen will, was Amy damals passiert ist. Gespickt ist die Handlung mit Erzählungen aus dem Kopf von Amy. Und das Ende ist überraschend. Mit meinem Täter-Tipp lag ich knapp daneben, wäre nie auf dieses Ende gekommen und war sehr zufrieden mit der Auflösung des Falls. Wer nicht nur Mord und Blut und Psychopathen mag, sondern einen spannenden Fall und klassische Ermittlungsarbeit, der ist bei „Locked in“ genau richtig.

Holly Seddon
Locked in: Wach auf, wenn du kannst
Heyne, 432 Seiten

Exkarnation – gute Idee, faszinierende Geschichte

Was passiert mit der Seele, wenn der Mensch stirbt? Diese Frage beantwortet Markus Heitz in „Exkarnation – Krieg der Alten Seelen“ mit einer guten Idee, die in sich logisch ist: Die Seelen wandern in eine Art Ursuppe. Manche jedoch sind sehr mächtig – oder wollen einfach nicht die Erde verlassen. Und so wandern sie in einen anderen Körper und leben weiter.

Zum Inhalt: Claire muss zusehen, wie ihr Mann erschossen wird. Sie will ihm helfen, doch wird von einem Auto überfahren. Sie ist sofort tot – und auch wieder nicht. Denn sie erwacht im Körper der Selbstmörderin Lene von Bachstein. Ihr Wunsch, den Mörder zur Rechenschaft zu ziehen war so groß, dass ihre Seele an der Erde festhielt. Und so schnappte sie einer anderen, wartenden und uralten Seele den Körper vor der Seelennase weg. Damit landet Lene/Claire mitten in einem mystischen Krieg rund um Macht, Mystik und unglaubliche Fähigkeiten.

Meine Meinung: Ich mag dieses Buch sehr. Die Story ist eine erfrischend andere Fantasy-Geschichte, die die Spannung von einem Thriller mitbringt. Die Idee der Seelenwanderung ist natürlich nicht neu. Aber die Umsetzung bei Markus Heitz ist sehr gelungen: Unentdeckt von den Normalsterblichen existieren manche Seelen seit Jahrtausenden. Einige sind besonders gut – andere besonders böse. Und sie bekriegen sich seit Jahrtausenden. Mittlerweile haben sie die Seelenwanderung fast perfektioniert. Denn mit jedem Körperwechsel bekommt die uralte Seele ganz neue, unglaubliche Fähigkeiten. Manche Seelen etwa werden so charismatisch, dass ihnen jeder Mensch folgt – so erklärt Heitz auch Hitler zum Seelenwanderer. In ihm steckte eine besonders böse, alte Seele.

Einziger Nachteil: Jeder Seelenwanderer braucht hin und wieder einen neuen Körper. Und der darf noch nicht lange tot sein. So bringen Assistenten einer alten Seele Lene von Bechstein zum Selbstmord – damit ihre Herrin in diesen Körper schlüpfen kann, der auf Erden viel Geld und Möglichkeiten hat. Bis Claire dazwischenschlüpft und einer anderen Organisation im Krieg gegen die bösen Seelen hilft. Daneben flechtet Heitz gekonnt Figuren aus anderen seiner zahlreichen Fantasy-Werke in die vielschichtige Story ein.

Die Charaktere sind glaubhaft und abwechslungsreich. Die Story rasant und spannend. Die verschiedenen Erzählungen aus dem Roman laufen in atemberaubender Spannung aufeinander zu – und enden natürlich nicht im ersten Band. Zum Glück steht der zweite schon im Regal! Wer den Stil von Markus Heitz und moderne Fantasy mag, der sollte sich diese Bücher unbedingt zulegen, auch wenn sie ganz anders sind, als die Zwerge.

Markus Heitz
Exkarnation – Krieg der alten Seelen
608 Seiten

Droemer/Knaur

2. Teil:
Exkarnation – Seelensterben
656 Seiten
Droemer/Knaur

Papierjunge – Schwedenkrimi um eine jüdische Sage

Das neueste Werk der schwedischen Thriller-Autorin Kristina Ohlsson hat mich absolut in seinen Bann gezogen – nicht sofort von der ersten Seite, aber spätestens nach der Entführung zwei kleiner Jungs mitten im eiskalten Winter in Stockholm.

Zum Inhalt: Der Papierjunge sucht sich nachts ein Opfer. Er entführt das Kind und tötet es. Der Papierjunge ist eine Sagengestalt, von der man sich in einem Kibbuz in Jerusalem erzählt. Doch plötzlich scheint er zum Leben zu erwachen – mitten in Stockholm. Erst stirbt eine Kindergärtnerin, kurz darauf werden zwei Jungs entführt. Sie alle stammen aus der gleichen jüdischen Gemeinde. Die Ermittler Fredrika Bergman und Alex Recht versuchen verzweifelt und mit allen Mitteln, die Fälle zu lösen und die entführten Kinder zurückzubringen. Ein grausames Verbrechen aus der Vergangenheit zieht sich schließlich bis in die Zukunft und fordert Tribut.

Meine Meinung: Die Geschichte nimmt langsam Fahrt auf, hat mich aber spätestens mit der Entführung der beiden Jungs völlig gefesselt. Die Geschichte rund um den Papierjungen ist großartig, spannend und fließend erzählt und absolut mitreißend. Zwischendrin geben kurze Kapitel einen Blick in die Zukunft frei, wo die Kinder und der Mann einer unbenannten Frau getötet werden. Auf diese grausame Situation läuft die gesamte Story hinaus, nimmt Fahrt auf und steuert rasant darauf zu. Bis zum Schluss habe ich gerätselt, wer die Frau ist, deren Familie ausgelöscht werden soll. Eine Ahnung hatte ich früh, doch die wird schlagartig gekippt – wenn man auf die Details achtet. Das Ende kommt überraschend, löst die gesamte, verwickelte und spannende Geschichte aber in sich logisch – wenn auch brutal und aufregend – auf.

Kristina Ohlsson
Papierjunge
Limes-Verlag, 565 Seiten

Schmutziger Schnee – Spannender Krimi, komplizierte Hintergründe

Da liegt ein Toter in einem Hinterhof – könnte ein ganz gewöhnlicher Mord sein. Wären da nicht so viele Ungereimtheiten. Ein Unbekannter hat den Mord beobachtet, den Notruf alarmiert – und ist verschwunden. Die Wohnung des Toten wurde unmittelbar nach dem Mord von Unbekannten betreten. Der Ermittler Leo Junker muss sich des Falles annehmen. Und der ist ein typischer Ermittler in moderner Tatort-Manier: Vollgepumpt mit eigenen Problemen – und Medikamenten, von denen er einfach nicht loskommt. Ein Dr. House mit Polizeimarke.

Schnell entwickelt der eigentlich ganz normale Mord eine politische Brisanz. Das Opfer war Soziologe, hatte für eine Arbeit in politischen Gruppierungen geforscht, interviewte rechte und antifaschistische Mitglieder verschiedener Gruppierungen. Doch dann übernimmt der Geheimdienst die Ermittlungen, Leo Junker darf sich nicht mehr mit dem Fall beschäftigen Das weckt natürlich – wie nicht anders zu erwarten – den Ehrgeiz des kantigen Polizisten.

Spannend entwickelt sich die Geschichte um den Mord und die verwickelten Hintergründe in Leo Junkers zweitem Fall. Der Autor Christoffer Carlsson schreibt über einen Mord, dessen Auflösung gar nicht so einfach ist und zu einem unerwarteten Ende führt. Die politischen Verwicklungen allerdings sind kompliziert, die Schuldzuweisungen und die einzelnen Gruppierungen zwischen rechts und antifaschistisch ebenso. Allerdings hat der Fall eine große Akutalität angesichts der aktuellen Flüchtlingszahlen: Wie verhalten sich die rechten Gruppierungen, um bei Wahlen Stimmen zu gewinnen? Gehen sie über Leichen? Oder sind vielleicht die Antifaschisten diejenigen, die eher zur Gewalt greifen? Wer ist hier eigentlich der Böse? Und wie werden ganz normale junge Männer zu rechtsradikalen Schlägern? Werden sie gar zu Mördern?

Das Buch ist spannend, die Dramaturgie ausgefeilt. Ich wollte stets wissen, wer der Mörder ist und warum der Soziologe sterben musste. Das Buch hält durchgehend eine düstere und beklemmende Stimmung. Allerdings steht Schmutziger Schnee auf der Liste meiner liebsten Krimis nicht ganz oben. Auch gibt es sehr viel bessere Schwedenkrimis – etwa Stieg Larsson oder Lars Kepler. Dafür ist Schmutziger Schnee mir teilweise zu kompliziert. Und auch Leo Junker ist kein Ermittler, den ich mag. Er hat zu viele eigene Probleme, sollte eigentlich nicht im Außendienst sein, wirkt etwas undurchsichtig. Ich mag Ermittler mit Kanten, echte Charaktere, echte psychologische Tiefe. Aber mir gehen auch die Tatort-Folgen auf die Nerven, bei denen die Problem der Hauptpersonen ständig durchkommen – und nicht die Ermittlungen im Vordergrund stehen.

Christoffer Carlsson
Schmutziger Schnee: Thriller Bd. 2

C. Bertelsmann

schmutziger schnee

Bestrafung – aktueller kann ein Thriller kaum sein

Radikale Islamisten; Terroranschläge, die die Welt verändern; ein Staat, der über Leichen geht, um Anschläge aufzudecken – und mittendrin eine zähe Polizistin mit Biss, Gespür und Durchsetzungskraft.

Zum Inhalt: Ein Selbstmordattentäter hat sich im Tivoli, einem beliebten Vergnügungspark in Dänemark, in die Luft gesprengt. Mehr als tausend Menschen sterben bei dem Anschlag. Die Polizei und der Staatsschutz ermitteln mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln, die Politik drückt dabei viele Augen zu. In dieser Situation telefoniert die Kommissarin Lene Jensen regelmäßig mit Ain – einer jungen Frau, die Selbstmordgedanken hegt. Während eines Telefonats scheint sie vor die U-Bahn gesprungen zu sein. Lene glaubt das allerdings nicht und fängt an zu ermitteln – gegen den Widerstand ihrer Chefin und den Staatsschutz mischt sie sich ein und scheint dabei eine äußerst wichtige Mission zu gefährden. Hilfe bekommt sie dabei vom Privatdetektiv Michael Sander. Und sie erfahren Schreckliches.

Meine Meinung: Brillianter Thriller, der aktueller kaum sein könnte: Wie handelt ein Staat, nachdem ein Selbstmordanschlag ihn bis ins Mark getroffen hat? Darf Unrecht mit Unrecht bekämpft werden? Wer ist der eigentliche Feind und kann man seinen Freunden noch trauen? Wie weit reicht der Arm des Terrors und tötet er die freie Welt? Mit diesen Themen veschäftigt sich Steffen Jacobsen in „Bestrafung“. Dabei zeichnet er nicht Schwarz und Weiß, sondern lässt Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Ahnungslose junge Menschen werden von den Islamisten ausgenutzt – ohne dass diese überhaupt merken, dass sie Terroristen geholfen haben. Es gibt Menschen, die sind Staatsbürger, in Dänemark geboren, arbeiten dort schon ewig – und entpuppen sich plötzlich als radikale Islamisten. Es gibt junge Selbstmordattentäter, die Zweifel haben, aber nicht zurück können. Und es gibt den großen, bösen Chef im Hintergrund, der einen Schicksalsschlag erlitten hat.
Getragen wird der Thriller von einer zähen Polizisten, die sich über Grenzen und Befehle hinwegsetzt und ihrem Bauchgefühl folgt. Auch gegen den Willen des Staatsschutzes. Sie macht aus einer persönlichen Feindschaft und einer Ahnung einen Fall, ermittelt auf eigene Faust und trotz mächtiger Prügel, die sie einstecken muss. Dabei bekommt sie Hilfe von einem Privatdetektiv. Gemeinsam kommen sie einer unglaublichen Tat auf die Spur.
Der Thriller ist rasant, spannend und gruselig aktuell. Die Story ist logisch aufgebaut – aber kaum vorherzusehen. Das Ende: Eine explosive Überraschung.

Und zurück bleibt irgendwie: Ein mulmiges Gefühl.

Steffen Jacobsen:
Bestrafung
Heyne, 512 Seiten

Totenprediger – Thriller mit Garantie für schlaflose Nächte

totenprediger

Ganz frisch auf dem Markt – ein guter Start in das neue Thriller-Jahr: Ein grandioser Thriller ist Mark Roberts da gelungen. Mit „Totenprediger“ liefert der Autor einen Auftakt zu einer Reihe um die Ermittlerin Eve Clay, der Hunger auf mehr macht und für schlaflose Nächte sorgt. Die Handlung ist äußerst spannend, sehr überraschend – und nichts für schwache Nerven.

Inhalt: DCI Eve Clay hat den „Totenprediger“ Adam White vor Jahren ins Gefängnis gebracht. Mindestens 12 Morde gehen auf sein Konto. Plötzlich nimmt er Kontakt zu Eve Vlay auf – als sie gerade in den grausigen und blutigen Ermittlungen zu einem Fall steckt, bei der eine ganze Familie bestialisch ermordet wurde. Die Morde rühren an Bildern aus der Vergangenheit, und auch Adam White tut dies. Er kündigt Eve Clay an, dass es noch weitere Morde geben wird, wenn die Ermittlerin nicht ihrer eigenen Bestimmung auf den Grund geht.

Meine Meinung: Rasant, blutig, temporeich, spannend und sehr überraschend – kurzum: Ein sehr guter Thriller, fast auf dem Niveau von Cody McFadyen. Eve ist eine starke Ermittlerin, als Leser erlebt man jedoch ihre Gefühle mit, kommt dem Charakter sehr nahe, fiebert geradezu mit. Das ist es auch, was mich das Buch kaum aus der Hand legen ließ. Die Handlung steckt voller Überraschungen – aber auch manchmal voller Humor. Die Handlung baut sich rasant auf und zieht einfach mit. Absolut empfehlenswert – und bei Schlafstörungen nicht geeignet.

Mark Roberts
Totenprediger

Deadline – Psychokrimi mit überraschender Wendung

Manchmal ist alles ganz anders, als es scheint.

Zum Inhalt: Catherine jedenfalls ist gut darin, den Schein zu wahren. Da gab es diesen einen tag vor 20 Jahren, der ihr Leben veränderte. Aber sie ließ sich nichts anmerken, spielte ihrem Sohn und ihrem Mann Ehefrau und Mutter, machte Karriere, wurde sehr erfolgreich. Und plötzlich liest sie ein Buch, das irgendwie auf ihrem Nachttisch gelandet war. Sie erkennt sich selbst in der Protagonistin – und die Geschichte, die sich vor 20 Jahren abgespielt hat und für immer ihr Geheimnis bleiben sollte.
Der Autor Stephen Brigstocke kennt Catherine nicht, aber er hasst sie für das, was sie getan hat. Sie soll leiden. Und das tut sie, seit sie in dem Buch gelesen hat – denn es endet mit ihrem gewaltsamen Tod.

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Meine Meinung: Ich habe das Buch mehr aus Zufall in die Hände bekommen. Aber zum Glück habe ich es in die Hände bekommen. Die Story hat mich von Beginn an mitgerissen. Ich fand die Idee gut, dass jemand ein düsteres Geheimnis aufdeckt und es als Roman herausbringt. Schließlich hat der Autor Beweise: Es gibt Fotos von der schändlichen, verruchten Catherine. Aber ist die Wirklichkeit so, wie sie scheint?
Die Handlung hat einen interessanten Twist, den ich etwa ab dem letzten Drittel geahnt habe. Es gibt bei diesem Twist kleinere logische Fehler, die mich aber beim Lesen nicht gestört haben. Ich musste trotzdem gebannt zu Ende lesen, um zu sehen, ob ich recht hatte.
Die Charaktere waren glaubhaft, hatten Tiefe, haben wirklich gelitten. Das hat die Autorin gut herausgearbeitet. Ich mag den Krimi, weil er sich mehr auf der psychischen, als auf der mordenden Ebene abspielt. Das bevorzuge ich bei spannendem Lesestoff. Die Handlung baut sich auf, ist nicht zu rasant, hat aber auch keine unangenehmen Längen – sondern hält einfach die Spannung ohne Mord und Totschlag. Gut gelungenes Werk von Renée Knight.

Renée Knight: Deadline
Goldmann-Verlag
352 Seiten
erschienen: 2015

Endgame. Die Auserwählten – ein langer Kampf rund um die Welt

Der Kampf um das Überleben nur eines einzigen von zwölf Geschlechtern geht weiter. James Frey lässt im zweiten Teil seiner Endgame-Trilogie wieder grausam morden, kämpfen, lieben und jagen. Aber irgendwie wünschte ich mir langsam, dass diese Jagd ihrem Ende zuginge – auch wenn das Buch, die Story, die Idee nicht schlecht sind. Dabei fehlt noch ein Band zum Ende.

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Zum Inhalt: Zwölf Auserwählte sind zu Endgame angetreten. Drei haben den ersten Band nicht überlebt. Das Spiel um Leben und Tod ist damit noch lange nicht zu Ende. Sara hat eine schmerzhafte Entscheidung getroffen, den Erdschlüssel bekommen und damit die Katastrophe – das Endgame – erst ausgelöst. Nun sucht sie mit Jago nach dem Himmelsschlüssel. Aber auch die anderen Spieler sind hinter ihr und den Schlüsseln her – und zu allem Überfluss verlangt Jagos Familie, dass er Sara tötet. An Liu nutzt die Technik und das Internet, um den Spielern das Leben schwer zu machen. Und Baitsakhan will einfach nur Töten.

Meine Meinung: Viele Aspekte, viele Charaktere, viele Grausamkeiten und viel Action. Leider aber auch manchmal zu viel Inhalt, zu viel Story. Die Idee rund um den Kampf ums Überleben mit der gesamten Erde als Spielfeld und Außerirdischen als Spielemachern mag ich sehr. Ich mag auch einige Spieler sehr – bei manchen ist es wirklich traurig, wenn sie sterben. Aber das Buch fesselt mich nicht zu 100 Prozent. Mehr so zu 75 Prozent. Wenn ich lese, dann lese ich gerne. Aber wenn ich es aus der Hand lege, dann fühle ich mich nicht gezwungen, sofort weiterlesen zu wollen, weil ich unbedingt das Ende kennen muss. Schließlich kommt ja noch ein dritter Teil. Und ich hoffe, dass der mehr Überraschungen und Wendungen bietet. Denn der zweite Teil zieht für mich die gesamte Story im Moment doch etwas zu sehr in die Länge – auch wenn er durchaus seine Höhepunkte hat. Aber manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass man die durchaus spannende Story auch in einem oder zwei Teilen erzählen könnte.
Interessant und ein echt abwechslungsreiches Leseerlebnis bieten allerdings wieder die Krypto-Rätsel, die über das gesamte Buch verteilt sind. Sie sind nicht wichig für die Story, können überlesen werden. Aber wer Spaß an kniffeligen Rätseln hat und nebenbei wertvolle Preise gewinnen möchte, der ist hier gut aufgehoben.

von James Frey,
erschienen bei Oetinger

1. Endgame – Die Auserwählten: Band 1

2. Endgame – Die Hoffnung: Band 2

3. Endgame – Die Entscheidung: Band 3