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Bob, der Streuner – ein Kater fürs Herz

Ihr liebt Katzen? Oder ihr kennt jemanden der Katzen liebt und dem ihr eine Freude machen wollt? Ich kann „Bob, der Streuner“ von James Bowen nur empfehlen. Es ist ein herzzereißendes Buch über einen dickköpfigen (echten) Kater und eine besondere Freundschaft – und zeigt, wie sensibel Katzen wirklich sind.

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Inhalt: James Bowen schreibt über eine außergewöhnliche Episode seines eigenen Lebens: Er ist ein drogenabhängiger Straßenmusiker, gerade erst der Obdachlosigkeit entronnen, kämpft mit dem Entzug. Wie ein Hoffnungsschimmer taucht der Kater Bob in seinem Leben auf, auch wenn James Bowen noch nicht erkennt, was ihm der kranke Kater einmal bedeuten wird. Er päppelt ihn auf und versucht, den gesunden Streuner wieder in die Freiheit zu entlassen. Bob sieht das aber anders und bleibt bei James Bowen, geht mit ihm an seine „Arbeitsplätze“ – und macht ihn so berühmt. Auf der ganzen Welt spricht es sich herum: Da gibt es einen Straßenmusiker, auf dessen Schulter sitzt ein prächtiger Kater. Menschen kommen vorbei, machen Fotos, bringen Bob Geschenke mit. Und weil James Bowen nun jemanden hat, für den er da sein muss, bekommt er sein eigenes Leben in den Griff.

Meine Meinung: Ich liebe Katzen. Und Bob liebe ich ganz besonders. James Bowen hat mich mit seiner Geschichte berührt. Ich habe das Buch in wenigen Stunden geradezu verschlungen. Es ist einfühlsam, emotional und zeigt auf besondere Weise die Beziehung zwischen Mensch und Tier – und wie wichtig und einfühlsam Tiere sein können, um den Menschen wieder auf den richtigen Weg zu verhelfen, ihnen neuen Lebensmut zu geben. Wer Katzen mag, sollte Bob lesen und wird ihn lieben.

Weitere Titel:
Bowen, James: Bob und wie er die Welt sieht
Bowen, James: Ein Geschenk von Bob

Lady Africa – Ein Stück „Jenseits von Afrika“

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Beryl Markham war eine außergewöhnliche Frau. Der Roman „Lady Africa“ von Paula McLain erzählt von dieser besonderen Frau und ihrem ungewöhnlichen Leben – allerdings kratzt sie mehr an der Oberfläche und lässt die intelligente und politisch interessierte Seite von Beryl Markham außer Acht. Vielmehr konzentriert sie sich auf die Affären, Skandale und das Leben in Afrika. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch über die Frau, die mit Karen alias Tanja Blixen befreundet war – der Autorin von „Afrika – dunkel lockende Welt“, auf dem der Film „Jenseits von Afrika“ beruht.

Inhalt: Beryl Markham wurde 1902 in Rutland geboren, zog 1904 mit ihren Eltern Charles und Clara Clutterbuck nach Ostafrika, welches 1920 zur britischen Kolonie wurde. Die Clutterbucks hatten dort eine eigene Farm, Beryls Vater war erfolgreicher Pferdetrainer. Sie selbst wuchs für damalige Verhältnisse sehr unkonventionell auf: Auf einer Pferdefarm, weit entfernt von der Stadt, der englischen Gesellschaft und deren strengen Konventionen, dafür unter Einheimischen und Arbeitern. Alleingelassen wird sie früh von ihrer Mutter, die sich in der Einsamkeit Afrikas nicht wohl fühlt und sich um ihren kränklichen Sohn sorgt. So wächst Beryl zunächst ohne jeglichen weiblichen Einfluss auf und in ungewöhnlicher Freiheit. Da wundert es nicht, dass sie schließlich aus ihrer ersten Ehe flieht, Freiheit sucht und selbst eine Ausbildung zur Pferdetrainerin macht.

Sie wurde sehr erfolgreich, verstrickte sich aber auch in einige Skandale. Schließlich begann sie eine Affäre mit Denys Finch Hatton, dem Geliebten von Karen Blixen. Als sie von ihm schwanger wird, flieht sie nach London, wo sie das Kind abtreiben lässt und später mit einem neuen Mann an ihrer Seite nach Afrika zurückkehrt. Er finanziert ihr eine Farm, ermöglicht ihr, wieder Pferde zu trainiern. Aber auch diese Beziehung hält nicht lange.

Schließlich ist Beryl Markham die erste Frau, die in Kenia einen Flugschein erwirbt. Das Fliegen bleibt ihre große Leidenschaft, auch als ihre große Liebe bei einem Flug ums Leben kommt.

Meine Meinung: Es ist ein Leben voller Liebe, Leidenschaft, Gefahren und voller Rückschläge, Niederlagen und Schicksalschläge, das Beryl Markham lebt. Ein Leben, fast zu bunt für die Realität und daher wie geschaffen für einen Roman, wie ihn Paula McLain geschaffen hat. Sie bringt die Gefühle, den Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit und das enge Korsett der englischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts eindringlich rüber, zeichnet glaubhafte und interessante Charaktere – und ließ mich mit Beryl Markham mitfiebern. Mit dieser starken Frau, die nach unzähligen Rückschlägen immer wieder aufgestanden ist und von vorne angefangen hat.

Fazit: Absolut lesenswert, spannend und mitreißend. Ein facettenreiches Leben, spannend auf 464 Seiten zusammengefasst und farbenfroh erzählt.

Wissenswertes: Das Buch basiert auf Beryl Markhams eigenem Buch „Westwärts mit der Nacht“, das derzeit auf Deutsch allerdings leider nicht erhältlich ist.

Alle Farben Rot – Liebe, Politik und Blut in Indonesien

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Indonesien ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse – zum Glück. Denn so kommen deutsche Leser in den Genuß einiger Werke indonesischer Schriftsteller. Eines dieser Schätze ist „Alle Farben Rot“ von Laksmi Pamuntjak. Es erzählt die bewegende Geschichte einer noch jungen Nation, die im 20. Jahrhundert einiges mitgemacht hat: Diktatur und Demokratie, Kolonialzeit und Unabhängigkeit, Misstrauen, Unruhen und Religionsstreit. Wer romantische, leichte Lektüre sucht, ist bei dem Buch nicht ganz richtig. Es ist ein wunderbares, vielschichtiges und ein etwas anspruchsvolleres Buch. „Alle Farben Rot“ erzählt auf einfühlsame Weise und mit glaubhaften Charakteren, was Indonesien in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat.

Inhalt: Pamuntjak erzählt in „Alle Farben Rot“ von den politischen Entwicklungen in der Geschichte Indonesiens. Sie entfaltet die Geschichte der Nation in der Geschichte einer Frau, deren Leben von den politischen Unruhen nach dem Putsch des Generals Suharto bitter geändert hat. Amba war eine neugierige junge Frau vom Dorf, deren Eltern es ihr erlaubten, in Yogjakarta zu studieren. Ihre Eltern gaben ihr aber auch einen Verlobten an die Seite – und verliehen ihr selbst einen schicksalhaften Namen. Ist dieser Name schuld an ihrer Liebesgeschichte?

Denn Amba ist eine Frau aus der indonesischen Erzählung Mahabharata. Sie wird ihrem Verlobten vom Krieger Bhisma entrissen. Der Verlobte nimmt sie nicht zurück und auch Bhisma will Amba nicht zur Frau nehmen. So stürzt die junge Frau ins Unglück. Schließlich wird sie als Shrikandi wiedergeboren und tötet Bhisma aus Rache. Amba ist daher – lässt die Autorin den Leser wissen – bis heute kein beliebter Name in Indonesien, beschwört er doch eine böse Geschichte auf die Trägerin hinab.

Und so geschah es auch der Amba aus „Alle Farben Rot“, die einem Salwa versprochen wurde, sich jedoch in einen Bhisma verliebte. Sie genossen die gemeinsame Zeit, vergaßen alles um sich herum – außer die Politik. Bhisma hatte Verbindungen zu kommunistischen Verbindungen, studierte selbst in Ost-Berlin. So kam es, dass er mit Amba bei der Beerdigung eines „linken“ Freundes war, als Unruhen ausbrachen. Bhsima wurde festgenommen und kam ohne Prozess ins Gefängnis und schließlich auf die Gefangeneninsel Buru. Amba verlor ihn aus den Augen, erfuhr nichts über sein Schicksal – bis eines Tages eine Mail sie über dessen tod aufklärt. Und so macht Amba sich auf, um alles über ihren Geliebten zu erfahren, sein Leben zu rekonstruieren – und nach 40 Jahren endlich mit der Vergangenheit abzuschließen.

Fazit: „Alle Farben Rot“ ist ein Buch voller Farben und Facetten. Laksmi Pamuntjak gelingt ein einfühlsames Portrait einer jungen Nation und einer beeindruckenden Frau, die ihre große Liebe verlor. Wie nebenbei habe ich während des Lesens einiges gelernt über die Geschichte und die Mythologie Indonesiens – etwa das große Epos Mahabharata oder die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen oder den Putsch von Suharto und die Folgen für eine gesamte Nation.

Kräuter der Provinz – lecker-leichte Lektüre

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Petra Durst-Benning wagt den ersten Gegenwartsroman und er ist wunderbar gelungen. Seit heute gibt es Kräuter der Provinz zu kaufen – und es lohnt sich. Denn charmante, authentische Charaktere und eine lecker-süße Story machen dieses Buch aus.

Inhalt: Das schwäbische Dorf Maierhofen ist reizvoll – und liegt inmitten malerischer Landschaften. Allerdings ist es auch ruhig und überall droht Verfall: Die jungen Leute ziehen weg, Läden stehen leer, Einnahmen fehlen überall. Trotzdem hat die Bürgermeisterin Theresa Hoffnung. Sie liebt ihre Heimat und will auch anderen Menschen die Vorzüge des kleinen Dorfes zeigen. Also holt sie ihre Verwandte Greta nach Maierhofen. Greta ist ausgezeichnete Marketingexpertin und Theresas letzte Hoffnung. Allerdings weiß selbst die Expertin nicht, wie sie das kleine Dorf vermarkten soll. Ausgebrannt ist die Städterin auch noch, steht kurz vor dem Burn-Out. Und dann kommt ihr plötzlich die rettende Idee. Dabei spielen provinzielle Kräuter und ein Metzger, der nicht Schlachten mag, eine große Rolle.

Meine Meinung: Greta ist eine perfekt gelungene Protagonistin. Irgendwie kann ich mich sofort in sie hineinversetzen: Sie lebt für ihre Arbeit, liebt ihren Job. Aber plötzlich ist das nicht mehr genug. Greta reist in eine neue Welt: Dörrfisches Idyll, Ruhe, Zeit, bezaubernde Landschaften – und Freunde. Ihr neues Heim beschriebt Petra Durst-Benning detailliert, ebenso wie den Marktplatz, die kleinen Läden. Sofort fühlt man sich in das schnuckelige Maierhofen versetzt und fiebert mit, wie die sympathischen Bürger ihr Dorf retten wollen – und ob der traurige Metzger mit einem ungewöhnlichen Traum, die Kartoffelbäuerin, die brave Hausfrau und der griesgrämige Koch ganz nebenbei zu ihrem persönlichen Glück finden.

Toller Bonus: Am Ende des Buches gibt es leckere Rezepte zum Nachmachen. Eine besondere Bratwurst und die echten Kräuter der Provinz kommen so in jede heimische Küche – direkt aus Maierhofen.