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Schmutziger Schnee – Spannender Krimi, komplizierte Hintergründe

Da liegt ein Toter in einem Hinterhof – könnte ein ganz gewöhnlicher Mord sein. Wären da nicht so viele Ungereimtheiten. Ein Unbekannter hat den Mord beobachtet, den Notruf alarmiert – und ist verschwunden. Die Wohnung des Toten wurde unmittelbar nach dem Mord von Unbekannten betreten. Der Ermittler Leo Junker muss sich des Falles annehmen. Und der ist ein typischer Ermittler in moderner Tatort-Manier: Vollgepumpt mit eigenen Problemen – und Medikamenten, von denen er einfach nicht loskommt. Ein Dr. House mit Polizeimarke.

Schnell entwickelt der eigentlich ganz normale Mord eine politische Brisanz. Das Opfer war Soziologe, hatte für eine Arbeit in politischen Gruppierungen geforscht, interviewte rechte und antifaschistische Mitglieder verschiedener Gruppierungen. Doch dann übernimmt der Geheimdienst die Ermittlungen, Leo Junker darf sich nicht mehr mit dem Fall beschäftigen Das weckt natürlich – wie nicht anders zu erwarten – den Ehrgeiz des kantigen Polizisten.

Spannend entwickelt sich die Geschichte um den Mord und die verwickelten Hintergründe in Leo Junkers zweitem Fall. Der Autor Christoffer Carlsson schreibt über einen Mord, dessen Auflösung gar nicht so einfach ist und zu einem unerwarteten Ende führt. Die politischen Verwicklungen allerdings sind kompliziert, die Schuldzuweisungen und die einzelnen Gruppierungen zwischen rechts und antifaschistisch ebenso. Allerdings hat der Fall eine große Akutalität angesichts der aktuellen Flüchtlingszahlen: Wie verhalten sich die rechten Gruppierungen, um bei Wahlen Stimmen zu gewinnen? Gehen sie über Leichen? Oder sind vielleicht die Antifaschisten diejenigen, die eher zur Gewalt greifen? Wer ist hier eigentlich der Böse? Und wie werden ganz normale junge Männer zu rechtsradikalen Schlägern? Werden sie gar zu Mördern?

Das Buch ist spannend, die Dramaturgie ausgefeilt. Ich wollte stets wissen, wer der Mörder ist und warum der Soziologe sterben musste. Das Buch hält durchgehend eine düstere und beklemmende Stimmung. Allerdings steht Schmutziger Schnee auf der Liste meiner liebsten Krimis nicht ganz oben. Auch gibt es sehr viel bessere Schwedenkrimis – etwa Stieg Larsson oder Lars Kepler. Dafür ist Schmutziger Schnee mir teilweise zu kompliziert. Und auch Leo Junker ist kein Ermittler, den ich mag. Er hat zu viele eigene Probleme, sollte eigentlich nicht im Außendienst sein, wirkt etwas undurchsichtig. Ich mag Ermittler mit Kanten, echte Charaktere, echte psychologische Tiefe. Aber mir gehen auch die Tatort-Folgen auf die Nerven, bei denen die Problem der Hauptpersonen ständig durchkommen – und nicht die Ermittlungen im Vordergrund stehen.

Christoffer Carlsson
Schmutziger Schnee: Thriller Bd. 2

C. Bertelsmann

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