Archiv | August 2015

Kräuter der Provinz – lecker-leichte Lektüre

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Petra Durst-Benning wagt den ersten Gegenwartsroman und er ist wunderbar gelungen. Seit heute gibt es Kräuter der Provinz zu kaufen – und es lohnt sich. Denn charmante, authentische Charaktere und eine lecker-süße Story machen dieses Buch aus.

Inhalt: Das schwäbische Dorf Maierhofen ist reizvoll – und liegt inmitten malerischer Landschaften. Allerdings ist es auch ruhig und überall droht Verfall: Die jungen Leute ziehen weg, Läden stehen leer, Einnahmen fehlen überall. Trotzdem hat die Bürgermeisterin Theresa Hoffnung. Sie liebt ihre Heimat und will auch anderen Menschen die Vorzüge des kleinen Dorfes zeigen. Also holt sie ihre Verwandte Greta nach Maierhofen. Greta ist ausgezeichnete Marketingexpertin und Theresas letzte Hoffnung. Allerdings weiß selbst die Expertin nicht, wie sie das kleine Dorf vermarkten soll. Ausgebrannt ist die Städterin auch noch, steht kurz vor dem Burn-Out. Und dann kommt ihr plötzlich die rettende Idee. Dabei spielen provinzielle Kräuter und ein Metzger, der nicht Schlachten mag, eine große Rolle.

Meine Meinung: Greta ist eine perfekt gelungene Protagonistin. Irgendwie kann ich mich sofort in sie hineinversetzen: Sie lebt für ihre Arbeit, liebt ihren Job. Aber plötzlich ist das nicht mehr genug. Greta reist in eine neue Welt: Dörrfisches Idyll, Ruhe, Zeit, bezaubernde Landschaften – und Freunde. Ihr neues Heim beschriebt Petra Durst-Benning detailliert, ebenso wie den Marktplatz, die kleinen Läden. Sofort fühlt man sich in das schnuckelige Maierhofen versetzt und fiebert mit, wie die sympathischen Bürger ihr Dorf retten wollen – und ob der traurige Metzger mit einem ungewöhnlichen Traum, die Kartoffelbäuerin, die brave Hausfrau und der griesgrämige Koch ganz nebenbei zu ihrem persönlichen Glück finden.

Toller Bonus: Am Ende des Buches gibt es leckere Rezepte zum Nachmachen. Eine besondere Bratwurst und die echten Kräuter der Provinz kommen so in jede heimische Küche – direkt aus Maierhofen.

Der dunkle Spiegel – Auftakt zur romantisch-spannenden Geschichte der Begine Almut

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Diese Reihe gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern: Andrea Schacht gelang mit „Der dunkle Spiegel“ ein spannender Auftakt zur fünfteiligen Romanreihe über die Begine Almut und den Pater Ivo. Die fünf Bücher sind historische Krimis – mit viel Herz.

Inhalt: Die Begine Almut ist eine patente Frau, will ihre eigenen Wege gehen und nicht unter der Munt eines Mannes stehen. Daher ist die junge Frau nach dem Tod ihres ersten, viel zu alten Mannes, in ein Beginenkonvent gegangen. Die Frauen leben keusch, arbeitsam und gottesfürchtig – ähnlich wie Nonnen, jedoch ohne Gelübde und jederzeit frei, den Konvent wieder zu verlassen.

Almut ist eine äußerst sympathische Protagonistin: Sie hat eine spitze Zunge und einen hellen Verstand. Sie hinterfragt die Lehren der Kirche und bringt sich damit so manches Mal in Schwierigkeiten. So trifft sie auch auf den strengen und grimmigen Pater Ivo, den sie oftmals mit ihrer spitzen Zunge geißelt, der sich aber gerne zu humorvollen Disputen mit der jungen Begine hinreißen lässt.

Ein tragischer Mord lässt die Begine und den Pater gemeinsam ermitteln: Der Sohn des Weinhändlers de Lipa wurde vergiftet – und Almut gerät unter Mordverdacht, da sie dem jungen Mann wenige Tage vor dessen Tod eine Arznei brachte. Und mit ihrer scharfen Zunge ruft sie sogar den Inquisitor auf den Plan. Schließlich bleibt Almut nichts anderes übrig, als die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen, wobei sie immer öfter auf den Pater trifft, Hilfe von der maurischen Hure Aziza und der taubstummen, aber sehr einfühlsamen Trine bekommt. Dennoch bringt sie sich selbst in Lebensgefahr.

Meine Meinung: Andrea Schacht schreibt über das bunte, lebendige Köln im Mittelalter. Die historischen Gegebenheiten hat sie in ihre Geschichte einbezogen, die Orte so detailliert beschrieben, dass ich sie auf meinem letzten Besuch in Köln teilweise wiedergefunden habe. Die Figuren sind glaubhaft, haben einen facettenreiche Charakter und lassen mitfiebern bei spannenden Ermittlungen und mysteriösen, dunklen Begebenheiten. Humorvoll ist es, wenn ganz nebenbei das Kölnisch Wasser erfunden wird oder einige, heute bekannte Medikamente. Darüber hinaus gelingt es Andrea Schacht, eine eigentlich unmögliche Liebesgeschichte langsam zu spinnen – und so wollte ich beim Lesen schnell nicht mehr nur die spannenden Mordfälle aufgeklärt wissen, sondern auch die Geschichte der Begine und des strengen Benediktinerpaters erfahren.

Fazit: Ein absolut empfehlenswertes Buch voller Spannung, Humor und Liebe. Manchmal ein bisschen ketzerisch, spitz und scharfzüngig, aber vor allem klug und mit Herz geschrieben – das macht „Der dunkle Spiegel“ zu einem Auftakt, der Lust macht auf mehr!

Die Reihe um Almut und Ivo von Andrea Schacht:
Band 1: Der dunkle Spiegel
Band 2: Das Werk der Teufelin
Band 3: Die Sünde aber gebiert den Tod
Band 4: Die elfte Jungfrau
Band 5: Das brennende Gewand

erschienen bei Blanvalet

Magie – Fans von Sonea werden verzaubert sein

Ja, im Moment hat es mir die Fantasy angetan -vor allem die zauberhafte Welt von Imardin, die Trudi Canavan so detailreich und liebevoll geschaffen hat. Nach der Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“ rund um Sonea und den Hohen Lord Akkarin habe ich „Magie“ geradzu verschlungen. Es war die perfekte magische Strandlektüre.

Inhalt: „Magie“ spielt hunderte Jahre, bevor Sonea geboren wurde. In dem Buch erzählt Trudi Canavan die Geschichte von Tessia, einem jungen Mädchen, das eigentlich Arzt werden wollte, als sie plötzlich ihre magischen Fähigkeiten entdeckte. Die Geschichte spielt mitten in der Zeit der Invasion Kyralias durch die Sachakaner und erzählt, wie die Gilde ihren Anfang nahm, wieso in Kyralia schwarze Magie verboten ist und wie die junge Tessia als erste Magierin ihre Fähigkeiten einsetzte, um Menschen zu heilen und damit ein neues magisches Gebiet erschloss. Aber auch eine junge Sachakanerin, die sich so gar nicht den Männern unterordnen will, spielt eine große Rolle im zweiten Teil des Buchs.

Meine Meinung: Es ist das Rezept von Trudi Canavan: Ein junges Mädchen, vom Schicksal auserkoren, stellt sich Widrigkeiten, übermächtigen Feinden und wächst an den Herausforderungen über sich selbst hinaus, um die ihr bekannte Welt zu retten. Dabei revolutioniert sie ganz nebenbei die bekannten Gesellschaftsstrukturen, weil sie sich nicht fügen will, nur weil sie eine Frau ist. Dabei sind die Werke von Canavan eindeutig nicht nur Frauen-Lektüre. Auch für die männlichen Fantasy-Fans gibt es genug Anreize, um die vielschichtigen Figuren, die Spannungen und Kriege und die magische Welt von Kyralia zu erkunden.

Die Figuren sind gut gezeichnet, sehr vielschichtig, lassen den Leser mitfiebern, sich in sie hineinversetzen und das Buch verschlingen, denn sie haben anrührende Geschichten. Es hat in mir am Strand den „Geht-schon-mal-ohne-mich-ins-Wasser“-Effekt hervorgerufen, denn „Magie“ ist spannend und mitreißend geschrieben. Ähnlich wie bei der Gilde-Trilogie ist die romantische Geschichte der Protagonistin sehr dezent gehalten und bestimmt nicht die Handlung und die Entwicklung der jungen Frau. Vielmehr ist sie ein – mehr oder weniger – überraschendes Endprodukt, dass mich das Buch mit einem guten Gefühl abschließen ließ. Für mich müssen die Protagonisten immer ein Happy End fürs Herz bekommen.

Tipp: Wer „Die Gilde der schwarzen Magier“ mag und die Trilogie „Sonea“ ebenfalls lesen möchte, der sollte unbedingt vor der „Sonea“-Trilogie zu „Magie“ greifen – denn dieses Buch erklärt viele Zusammenhänge und stellt die Verräterinnen vor, die in späteren Zeiten eine große Rolle spielen sollen.