Archiv | November 2015

Die silberne Nadel – Myntha ermittelt wieder

Ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen! Die Fährmannstochter Myntha hat wieder einen Einsatz im alten Köln: 1420 wird die Leiche eines Brotbeschauers gefunden. Die selbstbewusste junge Frau hilft wieder bei den Ermittlungen aus – ganz wie bei Almut und Ivo kann man sich nämlich immer noch nicht auf die Stadtbüttel verlassen.

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Zum Inhalt: Der Brotbeschauer Schroth wird tot im Holzrad der Rheinmühle gefunden. Doch wer hat ihn ermordet? Ein Bäcker, den Schroth zuvor der Lächerlichkeit preiß gegeben hat? Oder seine Geliebte, die Witwe Ellen – eine Freundin der Fährmannstochter Myntha und des Rabenmeisters Frederic Bowman? Oder war es Myntha selbst? (Das behauptet der Pfarrer, der davon besessen ist, Myntha Dämonen austreiben zu wollen. Schließlich ist sie von den Toten auferstanden und schlafwandelt bei Vollmond. Ziemlich gruselig für damalige Verhältnisse. Buuuhh!) Keine Frage, dass Myntha und Frederic sich in die Ermittlungen reinhängen und selbst den Schuldigen suchen. Dabei gerät Myntha in tödliche Gefahr, es gibt heldenhafte Recken – und einige Fragen aus der Vergangenheit werden geklärt. Mit von der Partie sind wieder gruselige Raben, spitzzüngige Weiber und allerhand Menschen, die mit Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen haben.

Meine Meinung: Ich mag den Schreibstil von Andrea Schacht. Er ist flüssig, liest sich locker und leicht weg. Die perfekte Feierabend-Lektüre. Gelungen sind auch wieder die witzigen Dialoge zwischen Myntha und Frederic (aus der Alyss-Reihe auch bekannt als Bengel Frieder) – auch wenn sie lange nicht heranreichen an das liebevoll-strenge Gekabbel zwischen Almut und Ivo. Die fünf Bände um Begine und Pater werden einfach meine Lieblingsbücher von Andrea Schacht bleiben und es dürfte schwerfallen, mit nachfolgenden Büchern an diese Geschichte, die Figuren, den Wortwitz und die kleinen Anekdoten heranzureichen. Dennoch mag ich auch diese Reihe wieder sehr gerne: Myntha ist eine selbstbewusste, junge Frau – die mit liebevollen Worten und manchmal auch mit einem kräftigen verbalen Tritt in den Hintern ihren Vater und ihre beiden Brüder lenkt. Sie ist klug und hat ein weiches Herz.
Frederic taut mehr und mehr auf, nachdem ihm Schreckliches in der Vergangenheit widerfahren ist – auch hierüber bekommt man beim Lesen des zweiten Bands immer mehr Informationen. Und es wird das Geheimnis gelüftet, wo Frederics gebildeter, höflicher und doch sehr wortkarger Gehilfe eigentlich herkommt.
Im Gegensatz zum ersten Teil lüftet der zweite Teil mehr Geheimnisse, als er dass er neue Fragen aufwirft. Und doch endet auch „Die silberne Nadel“ wieder mit einem Cliffhanger. Zarte Gefühlsbande werden übrigens auch in dieser Reihe wieder geknüpft – abseits von Verhandlungen um Mitgift und Ehevertrag. Es ist vorhersehbar, welche Charaktere wieder zueinanderfinden werden, aber ich liebe es, „zuzuschauen“, wie die zarten Bande geknüpft werden und jeder die Gefühle vor den Betroffenen erkennt. Anders war es bei Almut und „ihrem“ Pater ja auch nicht. (Ach, er ist nicht IHR Pater!)
Und leider beschleicht mich das Gefühl, dass die Bücher seit den Romanen um Almut und Ivo immer dünner werden. Die Story ist spannend und gefällt mir – aber vielleicht sollte man doch wieder mehr Story oder Hintergrund oder Geheimnisse in ein Buch packen.
Ich freue mich jedenfalls schon auf die Fortsetzung!

Folgende Bücher der Reihe sind bereits erschienen:
von Andrea Schacht

1. Die Fährmannstochter. Myntha Band 1

2. Die silberne Nadel, Myntha Band 2

3. Das Gold der Raben, Myntha Band 3

Ich bin der Schmerz – Thriller mit Überraschung

Keine zwei Tage habe ich gebraucht, da hatte ich „Ich bin der Schmerz“ von Ethan Cross schon wieder durchgelesen. Ein kurzes Lesevergnügen (nicht weil das Buch zu dünn, sondern zu spannend ist) mit fesselnder Story und überraschenden Wendungen.

Zum Inhalt: Der dritte Fall, der den Ermittler Marcus Williams eng mit seiner eigenen Vergangenheit in Verbindung bringt, ihn in die Schatten seiner Herkunft blicken lässt. Der „Anstifter“ bringt unbescholtene Menschen mit perfiden Erpressungsmethoden dazu, zu Mördern zu werden. Weigert der Erpresste sich, bekommt er seine Familie in Einzelteilen zurück. Grausam und krank ist der Anstifter – und der Vater von Marcus Williams. Der macht Jagd auf den Schatten seiner Vergangenheit und bekommt dabei tatkräftige Hilfe von seinem Bruder Francis Ackermann Jr. – einem grausamen Serienkiller.

Meine Meinung: Spannend bis in die letzte Zeile. Absolut lesenswert für Fans von Thriller, von Cody McFadyen und von rasanten, grausamen Handlungen mit viel Blut, Details und Einblicken in kranke Geisteswelten.
Die Handlung ist rasant und ließ mich das Buch kaum aus der Hand legen. Es gibt überraschende Wendungen, kaum Vorhersehbares und unglaublich Böses. Der dritte Band der Reihe um Marcus Williams und seinen Bruder Francis Ackermann Jr. ist Ethan Cross mit Abstand am besten gelungen. Er gewährt tiefe Einblicke in die Gedankenwelten der spannenden und glaubwürdigen Figuren – und zeigt, dass es nicht Schwarz und Weiß, Gut und Böse gibt, sondern auch Grauschattierungen und den festen Willen, Gutes zu tun – auch wenn wirklich „einschneidende“ Erlebnisse aus der Kindheit dies unmöglich scheinen lassen. Ich will nicht zu viel verraten, aber meine Sympathiepunkte bei den Charakteren habe ich eindeutig neu verteilt. Ethan Cross schafft es, einen der schlimmsten Serienkiller Amerikas zu einem Publikumsliebling zu machen. Ich freue mich auf weitere Bücher der Reihe!Kaum zu glauben, dass ich den ersten Teil nur gekauft habe, weil das Cover mich magisch anzog: Ganz in schwarz gehalten, selbst der Schnitt. Nur dort lesbar: Der Titel und Autor in weiß. Der zweite Band erscheint komplett in Blutrot. Der aktuelle Teil nun ist komplett steril weiß, rein und umso unheilverkündender.

Die Shepherd-Serie von Ethan Cross im Überblick:

    1. Ich bin die Nacht
    2. Ich bin die Angst
    3. Ich bin der Schmerz
    4.  Ich bin der Zorn

Der Name des Windes – Fantasy vom Feinsten

Wieso habe ich als Fantasy-Liebhaberin eigentlich so lange gebraucht, bis ich dieses Buch kennengelernt habe? Es ist einfach fantastisch, mitreißend, sprachlich überragend und mit nichts zu vergleichen.

Zum Inhalt: „Ihr habt sicher schon von mir gehört“ – so leitet Kvothe seine Erzählung ein. Der Gastwirt erzählt seine Lebensgeschichte einem Chronisten, innerhalb von drei Tagen. Diese Tage sind unterteilt in die drei Tage der Königsmörder-Chronik. Denn Kvothe (mit stummem E) ist kein gewöhnlicher Gastwirt: Er ist ein berühmter und berüchtigter Zauberer, ein Held – oder ein Mörder, je nachdem, wen man fragt. Und so erzählt er dem Chronisten seine wirklich wahre Geschichte: Wie Kvothe als Edema Ruh, einer Gruppe fahrender Künstler, aufwuchs. Wie er die ersten Grundlagen der Sympathie lernte. Unwissende würden die Kunst der Sympathie als Zauberei bezeichen. Und wie das Kind plötzlich zum Weisen wurde, als die Chandrian – jedes Kind kennt sie aus Märchen – seine ganze Truppe umbrachten und er durch Glück überlebte. Seither wird er geleitet von Rache und Wissensdurst, erlebt dabei unglaubliche Abenteuer und wird zu einem immer geschickteren Schüler an der Universität.

Meine Meinung: Das Buch ist ein dicker Wälzer und nimmt viel Zeit in Anspruch – aber es ist jede Sekunde wert. Unaufgeregt, ruhig, aber mit einer unglaublichen Spannung und einem erfrischenden Sprachgefühl erzählt Patrick Rothfuss, erzählt Kvothe, die Geschichte des Königsmörders. Es ist atmosphärisch dicht, erschafft eine völlig neue, glaubhafte Welt, in die ich gerne eingetaucht bin. Das Buch konnte ich kaum weglegen – fürchtete aber auch das Ende und den vorläufigen Abschied aus der Welt von Kvothe.Ich habe das fast 900-Seiten starke Buch verschlungen, ebenso wie den noch umfangreicheren zweiten Teil (der in zwei Teile aufgeteilt wurde).

Kvothe ist ein unglaublich vielschichtiger, aber zugleich sehr rätselhafter und glaubwürdiger Charakter. Er ist intelligent, hat schreckliches erlebt, ist manchmal jähzornig, bringt sich für seine Liebe und seine Freunde in Schwierigkeiten und trotzt allen Unwägbarkeiten. Er ist verzweifelt, traurig, einsam, gesellig, schlägt sich durch und erlebt atemberaubende Abenteuer. Aber glaubwürdig. Dieses Buch kann man ohne schlechtes Gewissen ins Regal direkt neben „Der Herr der Ringe“ stellen, dort ist es gut aufgehoben.

Und nun heißt es: Ungeduldig warten auf den dritten Tag der Kvothe-Erzählungen…

Rothfuss, Patrick: Der Name des Windes (Königsmörder-Chronik, 1. Tag)
Rothfuss, Patrick: Die Furcht des Weisen (Königsmörder-Chronik, 2. Tag/Teil 1)
Rothfuss, Patrick: Die Furcht des Weisen (Königsmörder-Chronik, 2. Tag/Teil 2)
erschienen bei Klett-Cotta

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Takeover – Adler Olsen vor seiner Glanzzeit

Nein – es ist kein neues Buch von Jussi Adler Olsen. Es ist nur neu auf dem deutschen Markt. Geschrieben hat der Erfolgsautor es vor 20 Jahren. Und warum er mit „Takeover“ eben kein Erfolgsautor wurde, wird schnell klar. Das Buch hat eine ganz interessante Handlung und gute Ansätze, wirkt aber manchmal sehr konstruiert und überzogen. Die Charaktere bleiben flach und farblos.

Zum Inhalt: Es geht um Terror. Es geht um den irakischen Geheimdienst. Es geht um den niederländischen Geschäftsmann Peter de Boer, der sein Geld damit verdient, im Auftrag von Kunden deren Konkurrenzfirmen zu vernichten. Und es geht um die Halbindonesierin Nicky Landsaat, die sich von ihrer Vergangenheit befreien will.

Nicky Landsaat wird Praktikantin in Peter de Boers Firma. Und Peter de Boer wird vom irakischen Geheimdienst erpresst: Er soll einen internationalen Öl-Konzern zerschlagen. Mit Hilfe von Nicky Landsaat macht er sich an die gefährliche Aufgabe -versucht aber zu gleich, seinen Erpressern ein Schnippchen zu schlagen. Es geht um Terror, um Finanzkrisen und den Nahost-Konflikt.

Meine Meinung: Kaum zu glauben, dass die höchst spannenden Geschichten um den Ermittler Carl Mork vom Sonderdezernat Q aus der gleichen Feder stammen sollen, wie Takeover. Kein Vergleich zu der internationalen Bestseller-Reihe. Takeover ist ein ganz passabler Krimi, spiel aber in einer ganz anderen Liga – Kreisliga B vielleicht, während Carl Mork eindeutig Bundesliga-Niveau hat.
Die Handlung hat viele unlogische Verläufe, einige Brüche und zahlreiche seltsame Begebenheiten und Zufälle. Sie steckt voller Klischees und flacher Charaktere – und hat eine Protagonistin, die an alte Prophezeiungen glaubt und danach handelt. Kurzum: Einiges ist ziemlich an den Haaren herbei gezogen, die Liebesgeschichte ist absolut seltsam und die Protagonisten sowieso.
Die Idee eines Konzerns, den man beauftragen kann, um andere Konzerne zu zerschlagen, finde ich hingegen sehr spannend. Eine völlig andere Story rund um diese Firma und einen glaubwürdigen Peter de Boer hätte ich sicher unterhaltsamer gefunden.

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