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Bestrafung – aktueller kann ein Thriller kaum sein

Radikale Islamisten; Terroranschläge, die die Welt verändern; ein Staat, der über Leichen geht, um Anschläge aufzudecken – und mittendrin eine zähe Polizistin mit Biss, Gespür und Durchsetzungskraft.

Zum Inhalt: Ein Selbstmordattentäter hat sich im Tivoli, einem beliebten Vergnügungspark in Dänemark, in die Luft gesprengt. Mehr als tausend Menschen sterben bei dem Anschlag. Die Polizei und der Staatsschutz ermitteln mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln, die Politik drückt dabei viele Augen zu. In dieser Situation telefoniert die Kommissarin Lene Jensen regelmäßig mit Ain – einer jungen Frau, die Selbstmordgedanken hegt. Während eines Telefonats scheint sie vor die U-Bahn gesprungen zu sein. Lene glaubt das allerdings nicht und fängt an zu ermitteln – gegen den Widerstand ihrer Chefin und den Staatsschutz mischt sie sich ein und scheint dabei eine äußerst wichtige Mission zu gefährden. Hilfe bekommt sie dabei vom Privatdetektiv Michael Sander. Und sie erfahren Schreckliches.

Meine Meinung: Brillianter Thriller, der aktueller kaum sein könnte: Wie handelt ein Staat, nachdem ein Selbstmordanschlag ihn bis ins Mark getroffen hat? Darf Unrecht mit Unrecht bekämpft werden? Wer ist der eigentliche Feind und kann man seinen Freunden noch trauen? Wie weit reicht der Arm des Terrors und tötet er die freie Welt? Mit diesen Themen veschäftigt sich Steffen Jacobsen in „Bestrafung“. Dabei zeichnet er nicht Schwarz und Weiß, sondern lässt Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Ahnungslose junge Menschen werden von den Islamisten ausgenutzt – ohne dass diese überhaupt merken, dass sie Terroristen geholfen haben. Es gibt Menschen, die sind Staatsbürger, in Dänemark geboren, arbeiten dort schon ewig – und entpuppen sich plötzlich als radikale Islamisten. Es gibt junge Selbstmordattentäter, die Zweifel haben, aber nicht zurück können. Und es gibt den großen, bösen Chef im Hintergrund, der einen Schicksalsschlag erlitten hat.
Getragen wird der Thriller von einer zähen Polizisten, die sich über Grenzen und Befehle hinwegsetzt und ihrem Bauchgefühl folgt. Auch gegen den Willen des Staatsschutzes. Sie macht aus einer persönlichen Feindschaft und einer Ahnung einen Fall, ermittelt auf eigene Faust und trotz mächtiger Prügel, die sie einstecken muss. Dabei bekommt sie Hilfe von einem Privatdetektiv. Gemeinsam kommen sie einer unglaublichen Tat auf die Spur.
Der Thriller ist rasant, spannend und gruselig aktuell. Die Story ist logisch aufgebaut – aber kaum vorherzusehen. Das Ende: Eine explosive Überraschung.

Und zurück bleibt irgendwie: Ein mulmiges Gefühl.

Steffen Jacobsen:
Bestrafung
Heyne, 512 Seiten

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