Alle Farben Rot – Liebe, Politik und Blut in Indonesien

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Indonesien ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse – zum Glück. Denn so kommen deutsche Leser in den Genuß einiger Werke indonesischer Schriftsteller. Eines dieser Schätze ist „Alle Farben Rot“ von Laksmi Pamuntjak. Es erzählt die bewegende Geschichte einer noch jungen Nation, die im 20. Jahrhundert einiges mitgemacht hat: Diktatur und Demokratie, Kolonialzeit und Unabhängigkeit, Misstrauen, Unruhen und Religionsstreit. Wer romantische, leichte Lektüre sucht, ist bei dem Buch nicht ganz richtig. Es ist ein wunderbares, vielschichtiges und ein etwas anspruchsvolleres Buch. „Alle Farben Rot“ erzählt auf einfühlsame Weise und mit glaubhaften Charakteren, was Indonesien in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat.

Inhalt: Pamuntjak erzählt in „Alle Farben Rot“ von den politischen Entwicklungen in der Geschichte Indonesiens. Sie entfaltet die Geschichte der Nation in der Geschichte einer Frau, deren Leben von den politischen Unruhen nach dem Putsch des Generals Suharto bitter geändert hat. Amba war eine neugierige junge Frau vom Dorf, deren Eltern es ihr erlaubten, in Yogjakarta zu studieren. Ihre Eltern gaben ihr aber auch einen Verlobten an die Seite – und verliehen ihr selbst einen schicksalhaften Namen. Ist dieser Name schuld an ihrer Liebesgeschichte?

Denn Amba ist eine Frau aus der indonesischen Erzählung Mahabharata. Sie wird ihrem Verlobten vom Krieger Bhisma entrissen. Der Verlobte nimmt sie nicht zurück und auch Bhisma will Amba nicht zur Frau nehmen. So stürzt die junge Frau ins Unglück. Schließlich wird sie als Shrikandi wiedergeboren und tötet Bhisma aus Rache. Amba ist daher – lässt die Autorin den Leser wissen – bis heute kein beliebter Name in Indonesien, beschwört er doch eine böse Geschichte auf die Trägerin hinab.

Und so geschah es auch der Amba aus „Alle Farben Rot“, die einem Salwa versprochen wurde, sich jedoch in einen Bhisma verliebte. Sie genossen die gemeinsame Zeit, vergaßen alles um sich herum – außer die Politik. Bhisma hatte Verbindungen zu kommunistischen Verbindungen, studierte selbst in Ost-Berlin. So kam es, dass er mit Amba bei der Beerdigung eines „linken“ Freundes war, als Unruhen ausbrachen. Bhsima wurde festgenommen und kam ohne Prozess ins Gefängnis und schließlich auf die Gefangeneninsel Buru. Amba verlor ihn aus den Augen, erfuhr nichts über sein Schicksal – bis eines Tages eine Mail sie über dessen tod aufklärt. Und so macht Amba sich auf, um alles über ihren Geliebten zu erfahren, sein Leben zu rekonstruieren – und nach 40 Jahren endlich mit der Vergangenheit abzuschließen.

Fazit: „Alle Farben Rot“ ist ein Buch voller Farben und Facetten. Laksmi Pamuntjak gelingt ein einfühlsames Portrait einer jungen Nation und einer beeindruckenden Frau, die ihre große Liebe verlor. Wie nebenbei habe ich während des Lesens einiges gelernt über die Geschichte und die Mythologie Indonesiens – etwa das große Epos Mahabharata oder die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen oder den Putsch von Suharto und die Folgen für eine gesamte Nation.

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Ein Kommentar zu “Alle Farben Rot – Liebe, Politik und Blut in Indonesien

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