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Die silberne Nadel – Myntha ermittelt wieder

Ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen! Die Fährmannstochter Myntha hat wieder einen Einsatz im alten Köln: 1420 wird die Leiche eines Brotbeschauers gefunden. Die selbstbewusste junge Frau hilft wieder bei den Ermittlungen aus – ganz wie bei Almut und Ivo kann man sich nämlich immer noch nicht auf die Stadtbüttel verlassen.

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Zum Inhalt: Der Brotbeschauer Schroth wird tot im Holzrad der Rheinmühle gefunden. Doch wer hat ihn ermordet? Ein Bäcker, den Schroth zuvor der Lächerlichkeit preiß gegeben hat? Oder seine Geliebte, die Witwe Ellen – eine Freundin der Fährmannstochter Myntha und des Rabenmeisters Frederic Bowman? Oder war es Myntha selbst? (Das behauptet der Pfarrer, der davon besessen ist, Myntha Dämonen austreiben zu wollen. Schließlich ist sie von den Toten auferstanden und schlafwandelt bei Vollmond. Ziemlich gruselig für damalige Verhältnisse. Buuuhh!) Keine Frage, dass Myntha und Frederic sich in die Ermittlungen reinhängen und selbst den Schuldigen suchen. Dabei gerät Myntha in tödliche Gefahr, es gibt heldenhafte Recken – und einige Fragen aus der Vergangenheit werden geklärt. Mit von der Partie sind wieder gruselige Raben, spitzzüngige Weiber und allerhand Menschen, die mit Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen haben.

Meine Meinung: Ich mag den Schreibstil von Andrea Schacht. Er ist flüssig, liest sich locker und leicht weg. Die perfekte Feierabend-Lektüre. Gelungen sind auch wieder die witzigen Dialoge zwischen Myntha und Frederic (aus der Alyss-Reihe auch bekannt als Bengel Frieder) – auch wenn sie lange nicht heranreichen an das liebevoll-strenge Gekabbel zwischen Almut und Ivo. Die fünf Bände um Begine und Pater werden einfach meine Lieblingsbücher von Andrea Schacht bleiben und es dürfte schwerfallen, mit nachfolgenden Büchern an diese Geschichte, die Figuren, den Wortwitz und die kleinen Anekdoten heranzureichen. Dennoch mag ich auch diese Reihe wieder sehr gerne: Myntha ist eine selbstbewusste, junge Frau – die mit liebevollen Worten und manchmal auch mit einem kräftigen verbalen Tritt in den Hintern ihren Vater und ihre beiden Brüder lenkt. Sie ist klug und hat ein weiches Herz.
Frederic taut mehr und mehr auf, nachdem ihm Schreckliches in der Vergangenheit widerfahren ist – auch hierüber bekommt man beim Lesen des zweiten Bands immer mehr Informationen. Und es wird das Geheimnis gelüftet, wo Frederics gebildeter, höflicher und doch sehr wortkarger Gehilfe eigentlich herkommt.
Im Gegensatz zum ersten Teil lüftet der zweite Teil mehr Geheimnisse, als er dass er neue Fragen aufwirft. Und doch endet auch „Die silberne Nadel“ wieder mit einem Cliffhanger. Zarte Gefühlsbande werden übrigens auch in dieser Reihe wieder geknüpft – abseits von Verhandlungen um Mitgift und Ehevertrag. Es ist vorhersehbar, welche Charaktere wieder zueinanderfinden werden, aber ich liebe es, „zuzuschauen“, wie die zarten Bande geknüpft werden und jeder die Gefühle vor den Betroffenen erkennt. Anders war es bei Almut und „ihrem“ Pater ja auch nicht. (Ach, er ist nicht IHR Pater!)
Und leider beschleicht mich das Gefühl, dass die Bücher seit den Romanen um Almut und Ivo immer dünner werden. Die Story ist spannend und gefällt mir – aber vielleicht sollte man doch wieder mehr Story oder Hintergrund oder Geheimnisse in ein Buch packen.
Ich freue mich jedenfalls schon auf die Fortsetzung!

Folgende Bücher der Reihe sind bereits erschienen:
von Andrea Schacht

1. Die Fährmannstochter. Myntha Band 1

2. Die silberne Nadel, Myntha Band 2

3. Das Gold der Raben, Myntha Band 3

Der dunkle Spiegel – Auftakt zur romantisch-spannenden Geschichte der Begine Almut

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Diese Reihe gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern: Andrea Schacht gelang mit „Der dunkle Spiegel“ ein spannender Auftakt zur fünfteiligen Romanreihe über die Begine Almut und den Pater Ivo. Die fünf Bücher sind historische Krimis – mit viel Herz.

Inhalt: Die Begine Almut ist eine patente Frau, will ihre eigenen Wege gehen und nicht unter der Munt eines Mannes stehen. Daher ist die junge Frau nach dem Tod ihres ersten, viel zu alten Mannes, in ein Beginenkonvent gegangen. Die Frauen leben keusch, arbeitsam und gottesfürchtig – ähnlich wie Nonnen, jedoch ohne Gelübde und jederzeit frei, den Konvent wieder zu verlassen.

Almut ist eine äußerst sympathische Protagonistin: Sie hat eine spitze Zunge und einen hellen Verstand. Sie hinterfragt die Lehren der Kirche und bringt sich damit so manches Mal in Schwierigkeiten. So trifft sie auch auf den strengen und grimmigen Pater Ivo, den sie oftmals mit ihrer spitzen Zunge geißelt, der sich aber gerne zu humorvollen Disputen mit der jungen Begine hinreißen lässt.

Ein tragischer Mord lässt die Begine und den Pater gemeinsam ermitteln: Der Sohn des Weinhändlers de Lipa wurde vergiftet – und Almut gerät unter Mordverdacht, da sie dem jungen Mann wenige Tage vor dessen Tod eine Arznei brachte. Und mit ihrer scharfen Zunge ruft sie sogar den Inquisitor auf den Plan. Schließlich bleibt Almut nichts anderes übrig, als die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen, wobei sie immer öfter auf den Pater trifft, Hilfe von der maurischen Hure Aziza und der taubstummen, aber sehr einfühlsamen Trine bekommt. Dennoch bringt sie sich selbst in Lebensgefahr.

Meine Meinung: Andrea Schacht schreibt über das bunte, lebendige Köln im Mittelalter. Die historischen Gegebenheiten hat sie in ihre Geschichte einbezogen, die Orte so detailliert beschrieben, dass ich sie auf meinem letzten Besuch in Köln teilweise wiedergefunden habe. Die Figuren sind glaubhaft, haben einen facettenreiche Charakter und lassen mitfiebern bei spannenden Ermittlungen und mysteriösen, dunklen Begebenheiten. Humorvoll ist es, wenn ganz nebenbei das Kölnisch Wasser erfunden wird oder einige, heute bekannte Medikamente. Darüber hinaus gelingt es Andrea Schacht, eine eigentlich unmögliche Liebesgeschichte langsam zu spinnen – und so wollte ich beim Lesen schnell nicht mehr nur die spannenden Mordfälle aufgeklärt wissen, sondern auch die Geschichte der Begine und des strengen Benediktinerpaters erfahren.

Fazit: Ein absolut empfehlenswertes Buch voller Spannung, Humor und Liebe. Manchmal ein bisschen ketzerisch, spitz und scharfzüngig, aber vor allem klug und mit Herz geschrieben – das macht „Der dunkle Spiegel“ zu einem Auftakt, der Lust macht auf mehr!

Die Reihe um Almut und Ivo von Andrea Schacht:
Band 1: Der dunkle Spiegel
Band 2: Das Werk der Teufelin
Band 3: Die Sünde aber gebiert den Tod
Band 4: Die elfte Jungfrau
Band 5: Das brennende Gewand

erschienen bei Blanvalet

Arnulf, die Axt der Hessen – Mittelalter-Abeneteuer im Stil von Cornwall

Inhalt: Der junge Hesse Arnulf wird von seiner Mutter und ihrem neuen Freund an einen Händler fortgegeben. Der misshandelt ihn, ist brutal. Mit Glück schafft Arnulf es als Holzhauer in die Dienste eines Baumeisters. Dann werden ihm seine Gefühle für dessen Tochter jedoch zum Verhängnis und er muss fliehen. Das Schicksal verwickelt ihn schließlich in die Kämpfe von Karl dem Großen und den Hessen gegen die Sachsenstämme. Unfreiwillig gerät Arnulf mitten in das Geschehen – und schließlich erwirbt der einfache Holzhauer sich großes Ansehen, denn er ist stark und ein begnadeter Axtkämpfer.

 Der Autor Robert Focken zeichnet ein detailreiches Bild dieser gefahrvollen Zeit im achten Jahrhundert: Es herrscht Armut, das Leben der Menschen ist geprägt von harter Arbeit, Aberglauben, von Krieg, der Plünderung durch die Sachsen und dem Spannungsfeld zwischen weltlicher und kirchlicher Macht. Quer durch das Frankenlager verläuft dabei etwa die Kluft zwischen zivilisierten Gelehrten wie Einhard und dem fanatischen Hofkapellan Karls, der den heidnischen Glauben ausrotten will. Beide Seiten ringen mit allen Mitteln um ihren Einfluss auf den König

Meine Meinung: „Arnulf. Die Axt der Hessen“ erzählt nicht von einem heldenhaften Karl dem Großen und stellt das Mittelalter als Abenteuer dar. Robert Focken gelingt es, das Leben der einfachen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen: Welche Sorgen und Nöte hatten die Menschen damals? Wie lebten Freie und Halbfreie? Und was passierte mit den Menschen, die zu Kriegsdiensten verpflichtet wurden? Nicht alle ritten in Rüstung, strahlend, mutig und hoch zu Ross in das Gefecht. So zeichnet Focken ein realistisches Mittelalter und macht die allgegenwärtigen Gefahren, aber auch Freuden spürbar. Focken beschönigt nicht und zeigt ein blutiges und dunkles Mittelalter. In diesem Roman liegt der Fokus auf Schlachten statt auf Romanzen – auch wenn eine Liebesgeschichte natürlich nicht fehlen darf. Wer allerdings Mittelalter-Romantik und Bettgeschichten im Stil von Andrea Schacht oder Iny Lorentz erwartet, wird in diesem Buch nicht fündig.

Robert Focken gestaltet nicht nur eine Hauptfigur: Neben Arnulf spielt auch der Geistliche Einulf eine große Rolle, ebenso wie der Soldat Esiko. Aber auch die zahlreichen Nebenfiguren haben eine spannende Geschichte und entwickeln sich im Laufe des Romans weiter.

Focken legt Wert auf Details. Daher nutzt er auch zahlreiche mittelalterliche Begriffe und die damaligen Namen der Städte. So heißt die Eder damals Adrana und Friedeslar wurde später zu Fritzlar. Auch Frankenberg, Korbach und andere Orte des Landkreises finden sich in dem Buch wieder.

Fazit: Für Freunde von historischen Romanen ist „Arnulf. Die Axt der Hessen“ sehr empfehlenswert. Es hat eine spannende Story, erzählt von Kampf und ein bisschen Liebe und zeichnet ein detailgetreues Bild der Sachsenkriege. Der zweite Band verspricht ebenfalls spannend zu werden.

 

Ramses – der Sohn des Lichts

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Wenn ein Fachmann Romane schreibt, kann das trocken werden und nach hinten losgehen. Anders ist das bei Christian Jacq. Der Mann ist Ägyptologe und begnadeter Schreiber. Der erste Teil seiner Bücher-Reihe über Ramses II hat mich für das Lesen restlos begeistert – und für ein Studium der Geschichte. Ich liebe historische Romane und die fünf Bände über das Leben von Ramses II fesseln mich nach wie vor.

Inhalt: Spannend und detailreich geschrieben, gibt der französische Auto nicht nur einen kleinen Einblick in das Leben im Alten Ägypten. Er erzählt mitreißend, wie Ramses II von seinem Vater, dem großen Pharao Sethos, angeleitet wird und lernt. Ramses ist jung, leidenschaftlich und ein spannender Charakter, der eine immense Wandlung vollzieht vom heißblütigen Jungspund zum bescheidenen und intelligenten Regenten. Ganz nebenbei erfährt der Leser, wie das Ägypten zur Zeit Ramses des Großen aussah, wer die Feinde waren und wer Freunde, welchem Glauben die Ägypter anhingen und wie sie Isis, Osiris, Seth, Horus, Hathor und vielen anderen Göttern huldigten und ihr Leben am Leben der Götter – und natürlich am Wasserstand des Nils – ausrichteten.

Meine Meinung: Christian Jacq erzählt lebensecht vom Leben der Ägypter, von bedeutenden Schlachten und kleinen Scharmützeln und berühmten Bauwerken in ihrer Entstehung. Er lässt Ägypten, dieses geheimnisvolle Land, in all seinem Glanz auferstehen. Aber natürlich ist es ein Roman. Neben den vielen historischen Tatsachen gibt es auch viele Erzählstränge, die das Buch bereichern und zu einer Geschichte machen – aber historischer Grundlage entbehren. Moses spielt in dem Buch genauso eine tragende Rolle, wie die schöne Helena von Troja und ihr Gemahl Menelaos.

Christian Jacq „Ramses – Der Sohn des Lichts“, Rowohlt 1999, 445 Seiten, 9,99 Euro.

Weitere Teile:

2. Der Tempel der Ewigkeit
3. Die Schlacht von Kadesch
4. Der Tempel von Abu Simbel
5. Im Schatten der Akazie