Archiv | November 2014

Ramses – der Sohn des Lichts

ramses

Wenn ein Fachmann Romane schreibt, kann das trocken werden und nach hinten losgehen. Anders ist das bei Christian Jacq. Der Mann ist Ägyptologe und begnadeter Schreiber. Der erste Teil seiner Bücher-Reihe über Ramses II hat mich für das Lesen restlos begeistert – und für ein Studium der Geschichte. Ich liebe historische Romane und die fünf Bände über das Leben von Ramses II fesseln mich nach wie vor.

Inhalt: Spannend und detailreich geschrieben, gibt der französische Auto nicht nur einen kleinen Einblick in das Leben im Alten Ägypten. Er erzählt mitreißend, wie Ramses II von seinem Vater, dem großen Pharao Sethos, angeleitet wird und lernt. Ramses ist jung, leidenschaftlich und ein spannender Charakter, der eine immense Wandlung vollzieht vom heißblütigen Jungspund zum bescheidenen und intelligenten Regenten. Ganz nebenbei erfährt der Leser, wie das Ägypten zur Zeit Ramses des Großen aussah, wer die Feinde waren und wer Freunde, welchem Glauben die Ägypter anhingen und wie sie Isis, Osiris, Seth, Horus, Hathor und vielen anderen Göttern huldigten und ihr Leben am Leben der Götter – und natürlich am Wasserstand des Nils – ausrichteten.

Meine Meinung: Christian Jacq erzählt lebensecht vom Leben der Ägypter, von bedeutenden Schlachten und kleinen Scharmützeln und berühmten Bauwerken in ihrer Entstehung. Er lässt Ägypten, dieses geheimnisvolle Land, in all seinem Glanz auferstehen. Aber natürlich ist es ein Roman. Neben den vielen historischen Tatsachen gibt es auch viele Erzählstränge, die das Buch bereichern und zu einer Geschichte machen – aber historischer Grundlage entbehren. Moses spielt in dem Buch genauso eine tragende Rolle, wie die schöne Helena von Troja und ihr Gemahl Menelaos.

Christian Jacq „Ramses – Der Sohn des Lichts“, Rowohlt 1999, 445 Seiten, 9,99 Euro.

Weitere Teile:

2. Der Tempel der Ewigkeit
3. Die Schlacht von Kadesch
4. Der Tempel von Abu Simbel
5. Im Schatten der Akazie

„Das wirst du bereuen“ werdet ihr nicht bereuen

bereuen

Inhalt: Manchmal liegt die Wahrheit so klar und offensichtlich vor einem: Emma ist eine Schlampe. Sie ist neu an der Schule, sieht gut aus – und spannt ihren Mitschülerinnen ständig die Freunde aus. Sara und Brielle gehören zu den starken Mädchen an der Schule, alle wollen ihnen imponieren – und deswegen lachen alle mit oder unternehmen zumindest nichts dagegen, als die beiden anfangen, Emma Putnam zu mobben. Auf Facebook und Twitter beschimpfen Sara und Brielle ihre Mitschülerin, spielen ihr Streiche, verletzen ihre Gefühle. Plötzlich ist Emma tot – sie hat ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Der Vorwurf: Sara und Brielle haben Emma in den Tod getrieben. Plötzlich sind sie die Ausgestoßenen, plötzlich zeigt jeder mit dem Finger auf sie, plötzlich stehen die Jugendlichen vor Gericht. Mitgelästert? Hat keiner. Nie. Nicht über die arme, hübsche Emma.

Das Buch „Das wirst du bereuen“ von Amanda Maciel beginnt, als Emma schon tot ist. Es erzählt die Geschichte von Sara, aus Saras Sicht: Wie sie versucht, jede Schuld von sich zu weisen – beim Anwalt, beim Psychologen, vor ihrer Familie. Und wie sie sich verändert, eine viel kompliziertere und vielschichtigere Wahrheit erkennt und akzeptiert. Die Einblicke in die Gedankenwelt von Sara fesseln, entwickeln sich, rufen Emotionen wach.

Fazit: Spannend erzählt die Autorin die Wandlung von Sara in der Gegenwart. In jedem zweiten Kapitel springt sie zurück und erzählt von den Geschehnissen vor Emmas Selbstmord. Das Buch handelt von einer aktuellen Problematik, fesselt den Leser, weil es berührt und weil der Leser sich vielleicht zuweilen selbst wiedererkennt – als Gehänselter oder auch als jemand, der unbedacht die Gefühle anderer verletzt. Mit „Das wirst du bereuen“ ist der Kinderbuchlektorin ein Debütroman gelungen, der Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen zum Nachdenken anregt.

Amanda Maciel: Das wirst du bereuen, 300 Seiten, Boje 2014. ISBN 978-3-414-82406-6, 14,99 Euro.