Archiv | Oktober 2015

Bob, der Streuner – ein Kater fürs Herz

Ihr liebt Katzen? Oder ihr kennt jemanden der Katzen liebt und dem ihr eine Freude machen wollt? Ich kann „Bob, der Streuner“ von James Bowen nur empfehlen. Es ist ein herzzereißendes Buch über einen dickköpfigen (echten) Kater und eine besondere Freundschaft – und zeigt, wie sensibel Katzen wirklich sind.

bob

Inhalt: James Bowen schreibt über eine außergewöhnliche Episode seines eigenen Lebens: Er ist ein drogenabhängiger Straßenmusiker, gerade erst der Obdachlosigkeit entronnen, kämpft mit dem Entzug. Wie ein Hoffnungsschimmer taucht der Kater Bob in seinem Leben auf, auch wenn James Bowen noch nicht erkennt, was ihm der kranke Kater einmal bedeuten wird. Er päppelt ihn auf und versucht, den gesunden Streuner wieder in die Freiheit zu entlassen. Bob sieht das aber anders und bleibt bei James Bowen, geht mit ihm an seine „Arbeitsplätze“ – und macht ihn so berühmt. Auf der ganzen Welt spricht es sich herum: Da gibt es einen Straßenmusiker, auf dessen Schulter sitzt ein prächtiger Kater. Menschen kommen vorbei, machen Fotos, bringen Bob Geschenke mit. Und weil James Bowen nun jemanden hat, für den er da sein muss, bekommt er sein eigenes Leben in den Griff.

Meine Meinung: Ich liebe Katzen. Und Bob liebe ich ganz besonders. James Bowen hat mich mit seiner Geschichte berührt. Ich habe das Buch in wenigen Stunden geradezu verschlungen. Es ist einfühlsam, emotional und zeigt auf besondere Weise die Beziehung zwischen Mensch und Tier – und wie wichtig und einfühlsam Tiere sein können, um den Menschen wieder auf den richtigen Weg zu verhelfen, ihnen neuen Lebensmut zu geben. Wer Katzen mag, sollte Bob lesen und wird ihn lieben.

Weitere Titel:
Bowen, James: Bob und wie er die Welt sieht
Bowen, James: Ein Geschenk von Bob

Advertisements

Nebelkind – Wenn Kinder zu Mördern ausgebildet werden

Spannende Krimis passen prima in den Leseherbst: Draußen wird es dunkel, düster wird es im Buch. Da tauche ich gerne, eingekuschelt und mit Tee ausgerüstet, in die Abgründe der Menschheit ein. Diesmal geht es um skrupellose Menschen, die Kinder zu Killermaschinen „umprogrammieren“….

Inhalt: Ein neunjähriger, völlig unbekannter Junge wird zum Mörder. Er erschießt den Leiter des Amtes für Migration. Aber Warum? Bevor die Ermittler den Jungen finden und befragen können, wird er tot aufgefunden. Und das ist ziemlich perfide: Der Junge wurde offenbar jahrelang misshandelt – und im Nacken trägt er den Namen „Thanatos“, den Namen einer griechischen Todesgottheit. Das verstört die ermittelnde, sonst so kühle Staatsanwältin, die keine Erinnerung an ihre Kindheit hat. Denn auch sie trägt einen solchen griechischen Namen in den Nacken eingeritzt. Auf eigene Faust beginnt sie, zu ermitteln – nicht nur in dem Mordfall Hans Juhlen und „Thanatos“, sondern vor allem in ihrer eigenen Vergangenheit. Wo kommt sie her? Was bedeuten ihre Albträume? Wer waren ihre Eltern? Nach und nach kommen die Erinnerungen zurück – und offenbaren die grausame Geschichte eines verängstigten Flüchtlingskindes.

Meine Meinung: Die Geschichte liest sich flüssig – und fesselt sofort. Denn ein mordendes Kind? Vielleicht sogar eine ganze mordende Kinderarmee? Der Gedanke ist schon ziemlich perfide und erschreckend. Gut verwoben sind verschiedene Kapitel mit Rückblicken, mit den Ermittlungen der Polizei und den Ermittlungen der Staatsanwältin Jana Berzelius. Ich habe schnell eine gewisse Sympathie – oder zumindest Mitgefühl – für einige Charaktere entwickelt, trotz vertuschter Morde und einer kühlen, unnahbaren Arroganz. Die Auflösung des Falles, bzw der Fälle, ist kompliziert und teilweise sehr überraschend.das Miträtseln und Mitfiebern lohnen sich also.

Angenehm finde ich den sehr schnörkellosen Erzählstil von Emelie Schepp. Er macht das Buch sehr gut lesbar und verzichtet (meistens) auf unnötige Längen. Manchmal hätte ich mir sogar ein paar Details mehr gewünscht.

Fazit: Ein lesenswerter und spannender Skandinavien-Thriller mit aktuellem Bezug zum Thema Flüchtlinge und Migration, einer ungewöhnlichen Geschichte und einem gelungenen Aufbau.

Nebelkind von Emelie Schepp

Nebelkind von Emelie Schepp

Wild Cards – Das Spiel der Spiele

Eine Castingshow im Stil von Dieter Bohlens „Deutschland sucht den Superstar“, garniert mit ein bisschen „Big Brother“ – allerdings mit echten Superhelden, die ziemlich ungewöhnliche Tricks draufhaben: Die Idee von George R.R. Martin und seinen Autorenkollegen mochte ich auf Anhieb. Teil zwei wartet schon in meinem Bücherregal.

Inhalt: Neben Menschen gibt es auch Joker und Asse, seit sich das Wild-Cards-Virus ausgebreitet hat. Die Joker wurden schrecklich entstellt, während die Asse verschiedene, teilweise ziemlich coole, manchmal aber auch nur sehr seltsame, Fähigkeiten haben. Lohengrin kann sich eine sehr nützliche unkaputtbare Rüstung heraufbeschwören, Curveball kann Dinge schleudern und deren Flugbahn lenken, während Jonathan Hives sich in einen Schwarm Wespen verwandeln kann. Die drei und noch viele andere Asse haben sich für die Casting-Show „Americas Next Superhero“ beworben. Sie zeigen ihr Können in verschiedenen Prüfungen. Aber nicht nur die teilweise kniffligen Gruppentests werden mit der Kamera begleitet. Alle Teilnehmer werden rund um die Uhr in der Superhelden-Villa gefilmt. Dramen, jede Menge Show und kleine Liebesgeschichten nicht ausgeschlossen. Bei der Sendung geht es um so viel Ruhm und Geld, dass die Superhelden-Anwärter schon fast vergessen haben, was einen Helden ausmacht. Und so lassen einige Teilnehmer die Show sausen und fliegen nach Ägypten. Denn dort werden Joker gejagt und umgebracht. Dort beweisen die Helden-Anwärter sich im echten Kampf.

Meine Meinung: Es geht um Superkräfte und Reality-TV, was mich dazu brachte, dieses Buch zu kaufen. Und mittendrin? Zack – plötzlich geht es um Ethik, Moral und echtes Heldentum. Ziemlich unerwartet, aber sehr gut umgesetzt von den neun beteiligten Autoren.
Das Buch ist flüssig geschrieben und zieht sofort in die Handlung hinein. Durch die bekannten Casting-Show-Elemente hatte ich schnell eine Vorstellung von den Helden, der Handlung – bis zum völlig überraschenden Twist. Und überhaupt hat das Buch eine überraschende Aktualität: Krieg, Terror und Morde in Ägypten. Menschen werden gejagt und getötet, weil sie Joker sind und nicht den allgemeinen Vorstellungen entsprechen, sondern anders sind. Und die „westliche Zivilisation“ kümmert sich kaum um die Morde, sondern fiebert vor dem Fernseher mit, weil sie auf einen neuen Superhelden warten. Die Superhelden selbst merken aber plötzlich, dass die Show und das Geld keinen Helden ausmachen – sondern Einsatz für die Menschen, für ethische Ziele, für „das Richtige“.
Herausgegeben wurde „Wild Cards“ unter dem bekannten Autoren George R.R. Martin. Wer Fantasy a la „Das Lied von Feuer und Eis“ erwartet, würde aber enttäuscht werden. Das Buch ist gut, spannend, echt lesenswert – aber kein Fantasy-Epos dieser Klasse. Keine eigene Welt, sondern eben moderne Fantasy in der modernen Welt – aber irgendwie auch Sozialkritik.
Vergleichbar mit „Lied von Feuer und Eis“ ist allerdings der Stil der Kapitel: Jedes Kapitel widmet sich im Wechsel einem anderen Charakter. So lernt man alle Hauptfiguren aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. Das gibt ihnen Tiefe. Besonders spannend finde ich dabei: Jeder Charakter wird von einem anderen Autoren „betreut“ – und so entstehen wirklich ganz unterschiedliche Blicke auf die Handlung und die Konkurrenten.
Deswegen freue ich mich darauf, als nächstes mit dem zweiten Teil anzufangen.

wild1

Endgame – Die Welt als gigantischer, mörderischer Spielplatz

endgame

Eine grandiose Idee, modern umgesetzt: James Frey hat mit Endgame eine weltweite Schnitzeljagd ins Leben gerufen – nicht nur im Buch, sondern auch im Netz und in der Realität. Endgame – Die Auserwählten ist der spannende Auftakt zu einem ungewöhnlichen Buch-(virtuelle)-Realität-Projekt. Und es ist auf beiden Ebenen spannend: Wer es nur lesen will, kommt voll auf seine Kosten. Wer aber gerne tüftelt und komplizierte Rätsel knackt (und dabei noch einen Schatz finden will) ist bei Endgame genau richtig.

Aber worum gehts eigentlich?

  1. Die Welt ist überbevölkert.
  2. Menschen sollen sterben – aber welche?
  3. 12 Vertreter uralter Stämme werden seit Jahrtausenden Generation für Generation ausgebildet zu Spielern.
  4. Die Spieler sind intelligent, kampferprobt, mörderisch und bereit für das Endgame.
  5. Nur wer überlebt und das Rätsel der Außerirdischen knackt, kann sich und alle Mitglieder seines Volksstammes vor dem Tod retten.
  6. Alle anderen müssen sterben.

Soweit zum Buch. Aber worum gehts noch?

  1. Es gibt jede Menge Geld zu gewinnen.
  2. Es gibt Rätsel zu lösen – überall im Buch verstecken sich Krypto-Rätsel.
  3. Wer das Rätsel im jeweiligen Buch der Trilogie als Erster löst, bekommt 500.000 Dollar.
  4. Beim ersten Buch haben auch 9 Deutsche das Rätsel gelöst – leider zu spät.

James Frey hatte nicht nur eine geniale Idee, sondern diese auch gut umgesetzt.
Kapitel für Kapitel stellt er seine 12 Hauptcharaktere vor: Ganz normale Jugendliche, wie es scheint. Und ja: Das zeigt direkt, dass die Erzählperspektive nicht einseitig ist, sondern in jedem Kapitel der Fokus auf einem anderen Spieler liegt. Ich mag diese Erzählweise sehr gerne – sie eröffnet verschiedene Blickwinkel, stellt zahlreiche Charaktere und Handlungsstränge an unterschiedlichen Orten der Welt vor (Genau wie es bei Wild Cards oder Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin stilistisch gelöst ist). Richtig los geht es nach der Vorstellungsrunde allerdings erst nach rund 100 Seiten.

Die Charaktere: Sarah Alopay hält gerade die Abschlussrede vor ihren MItschülern in Omaha, als ein riesiger Komet abstürzt, viele Menschen tötet und noch mehr in Panik versetzt. Sarah wollte keine Spielerin sein, wollte nicht spielen – und ausgerechnet zu ihrer Zeit beginnt das große ereignis, auf das ihre Familie sich seit Hunderten von Jahren vorbereitet hat.

Jago Tlaloc gehört einem mächtigen Familienclan in Peru an. Er ist gnadenlos, für den Kampf trainiert. Und verbündet sich schließlich mit Sarah.

Es gibt den Hacker An Liu aus China. Mit seinen Tricks macht er es den Mitspielern ganz schön schwer – von seinem Computer aus.

Chiyoko ist eine Meisterin der japanischen Kampfkunst – und stumm. Aisling Koop ist eine ausgezeichnete Scharfschützin, Alice Ulapala aus Australien trifft zielgenau mit dem Bumerang.

Meine Meinung: Zwölf unterschiedliche Menschen, junge Kampfmaschinen, Rätselknacker, lässt Frey in seinem Spiel auf Leben und Tod aufeinander los. Was sich zunächst anhört wie eine Idee, die bei Tribute von Panem ausgeliehen ist, entpuppt sich aber als gnadenlose Schnitzeljagd, weitreichender als die Arena in Panem – und brutaler.
Die Spieler haben Tiefe, sind detailreich gezeichnete Charaktere – manche natürlich mehr als andere, aber es überleben auch nicht alle. Und manchmal stirbt jemand, dem Frey zuvor viel Raum und Tiefe gegeben hat. Völlig unerwartet – ein bisschen herzlos und plötzlich, wie bei George R.R. Martin in seinem Lied von Eis und Feuer.

Endgame ist flüssig zu lesen. Allerdings sollte man bei brutalen Morden und Blut nicht schwach werden. Die Gewalt könnte gerne etwas weniger ausgeprägt sein. Dennoch finde ich das Konzept des Buches (das um Serie und Film erweitert werden soll) sehr gut, ebenso wie die Story – eben eine packende Schnitzeljagd rund um den Globus mit ein bisschen James Bond und Lara Croft, ein bisschen Liebesgeschichte (aber nur ein ganz kleines bisschen) und ein paar kleinen Logikfehlern, die mich beim Lesen aber nichtso extrem gestört haben, dass das ganze Buch dadurch unlogisch würde.

Einen super Hingucker fand ich übrigens das goldene Cover. Es fällt sofort ins Auge. Da ich mir unbekannte Bücher ohnehin nur in die Hand nehme, wenn mir das Cover gefällt, hatte Endgame mich sofort in seinen Bann gezogen. Ich freue mich also sehr auf Band 2 Endgame – Die Hoffnung, das am 19. Oktober erscheint.

 

Lady Africa – Ein Stück „Jenseits von Afrika“

McLain_LadyAfrica_U1.indd

Beryl Markham war eine außergewöhnliche Frau. Der Roman „Lady Africa“ von Paula McLain erzählt von dieser besonderen Frau und ihrem ungewöhnlichen Leben – allerdings kratzt sie mehr an der Oberfläche und lässt die intelligente und politisch interessierte Seite von Beryl Markham außer Acht. Vielmehr konzentriert sie sich auf die Affären, Skandale und das Leben in Afrika. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch über die Frau, die mit Karen alias Tanja Blixen befreundet war – der Autorin von „Afrika – dunkel lockende Welt“, auf dem der Film „Jenseits von Afrika“ beruht.

Inhalt: Beryl Markham wurde 1902 in Rutland geboren, zog 1904 mit ihren Eltern Charles und Clara Clutterbuck nach Ostafrika, welches 1920 zur britischen Kolonie wurde. Die Clutterbucks hatten dort eine eigene Farm, Beryls Vater war erfolgreicher Pferdetrainer. Sie selbst wuchs für damalige Verhältnisse sehr unkonventionell auf: Auf einer Pferdefarm, weit entfernt von der Stadt, der englischen Gesellschaft und deren strengen Konventionen, dafür unter Einheimischen und Arbeitern. Alleingelassen wird sie früh von ihrer Mutter, die sich in der Einsamkeit Afrikas nicht wohl fühlt und sich um ihren kränklichen Sohn sorgt. So wächst Beryl zunächst ohne jeglichen weiblichen Einfluss auf und in ungewöhnlicher Freiheit. Da wundert es nicht, dass sie schließlich aus ihrer ersten Ehe flieht, Freiheit sucht und selbst eine Ausbildung zur Pferdetrainerin macht.

Sie wurde sehr erfolgreich, verstrickte sich aber auch in einige Skandale. Schließlich begann sie eine Affäre mit Denys Finch Hatton, dem Geliebten von Karen Blixen. Als sie von ihm schwanger wird, flieht sie nach London, wo sie das Kind abtreiben lässt und später mit einem neuen Mann an ihrer Seite nach Afrika zurückkehrt. Er finanziert ihr eine Farm, ermöglicht ihr, wieder Pferde zu trainiern. Aber auch diese Beziehung hält nicht lange.

Schließlich ist Beryl Markham die erste Frau, die in Kenia einen Flugschein erwirbt. Das Fliegen bleibt ihre große Leidenschaft, auch als ihre große Liebe bei einem Flug ums Leben kommt.

Meine Meinung: Es ist ein Leben voller Liebe, Leidenschaft, Gefahren und voller Rückschläge, Niederlagen und Schicksalschläge, das Beryl Markham lebt. Ein Leben, fast zu bunt für die Realität und daher wie geschaffen für einen Roman, wie ihn Paula McLain geschaffen hat. Sie bringt die Gefühle, den Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit und das enge Korsett der englischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts eindringlich rüber, zeichnet glaubhafte und interessante Charaktere – und ließ mich mit Beryl Markham mitfiebern. Mit dieser starken Frau, die nach unzähligen Rückschlägen immer wieder aufgestanden ist und von vorne angefangen hat.

Fazit: Absolut lesenswert, spannend und mitreißend. Ein facettenreiches Leben, spannend auf 464 Seiten zusammengefasst und farbenfroh erzählt.

Wissenswertes: Das Buch basiert auf Beryl Markhams eigenem Buch „Westwärts mit der Nacht“, das derzeit auf Deutsch allerdings leider nicht erhältlich ist.