Die silberne Nadel – Myntha ermittelt wieder

Ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen! Die Fährmannstochter Myntha hat wieder einen Einsatz im alten Köln: 1420 wird die Leiche eines Brotbeschauers gefunden. Die selbstbewusste junge Frau hilft wieder bei den Ermittlungen aus – ganz wie bei Almut und Ivo kann man sich nämlich immer noch nicht auf die Stadtbüttel verlassen.

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Zum Inhalt: Der Brotbeschauer Schroth wird tot im Holzrad der Rheinmühle gefunden. Doch wer hat ihn ermordet? Ein Bäcker, den Schroth zuvor der Lächerlichkeit preiß gegeben hat? Oder seine Geliebte, die Witwe Ellen – eine Freundin der Fährmannstochter Myntha und des Rabenmeisters Frederic Bowman? Oder war es Myntha selbst? (Das behauptet der Pfarrer, der davon besessen ist, Myntha Dämonen austreiben zu wollen. Schließlich ist sie von den Toten auferstanden und schlafwandelt bei Vollmond. Ziemlich gruselig für damalige Verhältnisse. Buuuhh!) Keine Frage, dass Myntha und Frederic sich in die Ermittlungen reinhängen und selbst den Schuldigen suchen. Dabei gerät Myntha in tödliche Gefahr, es gibt heldenhafte Recken – und einige Fragen aus der Vergangenheit werden geklärt. Mit von der Partie sind wieder gruselige Raben, spitzzüngige Weiber und allerhand Menschen, die mit Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen haben.

Meine Meinung: Ich mag den Schreibstil von Andrea Schacht. Er ist flüssig, liest sich locker und leicht weg. Die perfekte Feierabend-Lektüre. Gelungen sind auch wieder die witzigen Dialoge zwischen Myntha und Frederic (aus der Alyss-Reihe auch bekannt als Bengel Frieder) – auch wenn sie lange nicht heranreichen an das liebevoll-strenge Gekabbel zwischen Almut und Ivo. Die fünf Bände um Begine und Pater werden einfach meine Lieblingsbücher von Andrea Schacht bleiben und es dürfte schwerfallen, mit nachfolgenden Büchern an diese Geschichte, die Figuren, den Wortwitz und die kleinen Anekdoten heranzureichen. Dennoch mag ich auch diese Reihe wieder sehr gerne: Myntha ist eine selbstbewusste, junge Frau – die mit liebevollen Worten und manchmal auch mit einem kräftigen verbalen Tritt in den Hintern ihren Vater und ihre beiden Brüder lenkt. Sie ist klug und hat ein weiches Herz.
Frederic taut mehr und mehr auf, nachdem ihm Schreckliches in der Vergangenheit widerfahren ist – auch hierüber bekommt man beim Lesen des zweiten Bands immer mehr Informationen. Und es wird das Geheimnis gelüftet, wo Frederics gebildeter, höflicher und doch sehr wortkarger Gehilfe eigentlich herkommt.
Im Gegensatz zum ersten Teil lüftet der zweite Teil mehr Geheimnisse, als er dass er neue Fragen aufwirft. Und doch endet auch „Die silberne Nadel“ wieder mit einem Cliffhanger. Zarte Gefühlsbande werden übrigens auch in dieser Reihe wieder geknüpft – abseits von Verhandlungen um Mitgift und Ehevertrag. Es ist vorhersehbar, welche Charaktere wieder zueinanderfinden werden, aber ich liebe es, „zuzuschauen“, wie die zarten Bande geknüpft werden und jeder die Gefühle vor den Betroffenen erkennt. Anders war es bei Almut und „ihrem“ Pater ja auch nicht. (Ach, er ist nicht IHR Pater!)
Und leider beschleicht mich das Gefühl, dass die Bücher seit den Romanen um Almut und Ivo immer dünner werden. Die Story ist spannend und gefällt mir – aber vielleicht sollte man doch wieder mehr Story oder Hintergrund oder Geheimnisse in ein Buch packen.
Ich freue mich jedenfalls schon auf die Fortsetzung!

Folgende Bücher der Reihe sind bereits erschienen:
von Andrea Schacht

1. Die Fährmannstochter. Myntha Band 1

2. Die silberne Nadel, Myntha Band 2

3. Das Gold der Raben, Myntha Band 3

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Ich bin der Schmerz – Thriller mit Überraschung

Keine zwei Tage habe ich gebraucht, da hatte ich „Ich bin der Schmerz“ von Ethan Cross schon wieder durchgelesen. Ein kurzes Lesevergnügen (nicht weil das Buch zu dünn, sondern zu spannend ist) mit fesselnder Story und überraschenden Wendungen.

Zum Inhalt: Der dritte Fall, der den Ermittler Marcus Williams eng mit seiner eigenen Vergangenheit in Verbindung bringt, ihn in die Schatten seiner Herkunft blicken lässt. Der „Anstifter“ bringt unbescholtene Menschen mit perfiden Erpressungsmethoden dazu, zu Mördern zu werden. Weigert der Erpresste sich, bekommt er seine Familie in Einzelteilen zurück. Grausam und krank ist der Anstifter – und der Vater von Marcus Williams. Der macht Jagd auf den Schatten seiner Vergangenheit und bekommt dabei tatkräftige Hilfe von seinem Bruder Francis Ackermann Jr. – einem grausamen Serienkiller.

Meine Meinung: Spannend bis in die letzte Zeile. Absolut lesenswert für Fans von Thriller, von Cody McFadyen und von rasanten, grausamen Handlungen mit viel Blut, Details und Einblicken in kranke Geisteswelten.
Die Handlung ist rasant und ließ mich das Buch kaum aus der Hand legen. Es gibt überraschende Wendungen, kaum Vorhersehbares und unglaublich Böses. Der dritte Band der Reihe um Marcus Williams und seinen Bruder Francis Ackermann Jr. ist Ethan Cross mit Abstand am besten gelungen. Er gewährt tiefe Einblicke in die Gedankenwelten der spannenden und glaubwürdigen Figuren – und zeigt, dass es nicht Schwarz und Weiß, Gut und Böse gibt, sondern auch Grauschattierungen und den festen Willen, Gutes zu tun – auch wenn wirklich „einschneidende“ Erlebnisse aus der Kindheit dies unmöglich scheinen lassen. Ich will nicht zu viel verraten, aber meine Sympathiepunkte bei den Charakteren habe ich eindeutig neu verteilt. Ethan Cross schafft es, einen der schlimmsten Serienkiller Amerikas zu einem Publikumsliebling zu machen. Ich freue mich auf weitere Bücher der Reihe!Kaum zu glauben, dass ich den ersten Teil nur gekauft habe, weil das Cover mich magisch anzog: Ganz in schwarz gehalten, selbst der Schnitt. Nur dort lesbar: Der Titel und Autor in weiß. Der zweite Band erscheint komplett in Blutrot. Der aktuelle Teil nun ist komplett steril weiß, rein und umso unheilverkündender.

Die Shepherd-Serie von Ethan Cross im Überblick:

    1. Ich bin die Nacht
    2. Ich bin die Angst
    3. Ich bin der Schmerz
    4.  Ich bin der Zorn

Der Name des Windes – Fantasy vom Feinsten

Wieso habe ich als Fantasy-Liebhaberin eigentlich so lange gebraucht, bis ich dieses Buch kennengelernt habe? Es ist einfach fantastisch, mitreißend, sprachlich überragend und mit nichts zu vergleichen.

Zum Inhalt: „Ihr habt sicher schon von mir gehört“ – so leitet Kvothe seine Erzählung ein. Der Gastwirt erzählt seine Lebensgeschichte einem Chronisten, innerhalb von drei Tagen. Diese Tage sind unterteilt in die drei Tage der Königsmörder-Chronik. Denn Kvothe (mit stummem E) ist kein gewöhnlicher Gastwirt: Er ist ein berühmter und berüchtigter Zauberer, ein Held – oder ein Mörder, je nachdem, wen man fragt. Und so erzählt er dem Chronisten seine wirklich wahre Geschichte: Wie Kvothe als Edema Ruh, einer Gruppe fahrender Künstler, aufwuchs. Wie er die ersten Grundlagen der Sympathie lernte. Unwissende würden die Kunst der Sympathie als Zauberei bezeichen. Und wie das Kind plötzlich zum Weisen wurde, als die Chandrian – jedes Kind kennt sie aus Märchen – seine ganze Truppe umbrachten und er durch Glück überlebte. Seither wird er geleitet von Rache und Wissensdurst, erlebt dabei unglaubliche Abenteuer und wird zu einem immer geschickteren Schüler an der Universität.

Meine Meinung: Das Buch ist ein dicker Wälzer und nimmt viel Zeit in Anspruch – aber es ist jede Sekunde wert. Unaufgeregt, ruhig, aber mit einer unglaublichen Spannung und einem erfrischenden Sprachgefühl erzählt Patrick Rothfuss, erzählt Kvothe, die Geschichte des Königsmörders. Es ist atmosphärisch dicht, erschafft eine völlig neue, glaubhafte Welt, in die ich gerne eingetaucht bin. Das Buch konnte ich kaum weglegen – fürchtete aber auch das Ende und den vorläufigen Abschied aus der Welt von Kvothe.Ich habe das fast 900-Seiten starke Buch verschlungen, ebenso wie den noch umfangreicheren zweiten Teil (der in zwei Teile aufgeteilt wurde).

Kvothe ist ein unglaublich vielschichtiger, aber zugleich sehr rätselhafter und glaubwürdiger Charakter. Er ist intelligent, hat schreckliches erlebt, ist manchmal jähzornig, bringt sich für seine Liebe und seine Freunde in Schwierigkeiten und trotzt allen Unwägbarkeiten. Er ist verzweifelt, traurig, einsam, gesellig, schlägt sich durch und erlebt atemberaubende Abenteuer. Aber glaubwürdig. Dieses Buch kann man ohne schlechtes Gewissen ins Regal direkt neben „Der Herr der Ringe“ stellen, dort ist es gut aufgehoben.

Und nun heißt es: Ungeduldig warten auf den dritten Tag der Kvothe-Erzählungen…

Rothfuss, Patrick: Der Name des Windes (Königsmörder-Chronik, 1. Tag)
Rothfuss, Patrick: Die Furcht des Weisen (Königsmörder-Chronik, 2. Tag/Teil 1)
Rothfuss, Patrick: Die Furcht des Weisen (Königsmörder-Chronik, 2. Tag/Teil 2)
erschienen bei Klett-Cotta

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Takeover – Adler Olsen vor seiner Glanzzeit

Nein – es ist kein neues Buch von Jussi Adler Olsen. Es ist nur neu auf dem deutschen Markt. Geschrieben hat der Erfolgsautor es vor 20 Jahren. Und warum er mit „Takeover“ eben kein Erfolgsautor wurde, wird schnell klar. Das Buch hat eine ganz interessante Handlung und gute Ansätze, wirkt aber manchmal sehr konstruiert und überzogen. Die Charaktere bleiben flach und farblos.

Zum Inhalt: Es geht um Terror. Es geht um den irakischen Geheimdienst. Es geht um den niederländischen Geschäftsmann Peter de Boer, der sein Geld damit verdient, im Auftrag von Kunden deren Konkurrenzfirmen zu vernichten. Und es geht um die Halbindonesierin Nicky Landsaat, die sich von ihrer Vergangenheit befreien will.

Nicky Landsaat wird Praktikantin in Peter de Boers Firma. Und Peter de Boer wird vom irakischen Geheimdienst erpresst: Er soll einen internationalen Öl-Konzern zerschlagen. Mit Hilfe von Nicky Landsaat macht er sich an die gefährliche Aufgabe -versucht aber zu gleich, seinen Erpressern ein Schnippchen zu schlagen. Es geht um Terror, um Finanzkrisen und den Nahost-Konflikt.

Meine Meinung: Kaum zu glauben, dass die höchst spannenden Geschichten um den Ermittler Carl Mork vom Sonderdezernat Q aus der gleichen Feder stammen sollen, wie Takeover. Kein Vergleich zu der internationalen Bestseller-Reihe. Takeover ist ein ganz passabler Krimi, spiel aber in einer ganz anderen Liga – Kreisliga B vielleicht, während Carl Mork eindeutig Bundesliga-Niveau hat.
Die Handlung hat viele unlogische Verläufe, einige Brüche und zahlreiche seltsame Begebenheiten und Zufälle. Sie steckt voller Klischees und flacher Charaktere – und hat eine Protagonistin, die an alte Prophezeiungen glaubt und danach handelt. Kurzum: Einiges ist ziemlich an den Haaren herbei gezogen, die Liebesgeschichte ist absolut seltsam und die Protagonisten sowieso.
Die Idee eines Konzerns, den man beauftragen kann, um andere Konzerne zu zerschlagen, finde ich hingegen sehr spannend. Eine völlig andere Story rund um diese Firma und einen glaubwürdigen Peter de Boer hätte ich sicher unterhaltsamer gefunden.

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Bob, der Streuner – ein Kater fürs Herz

Ihr liebt Katzen? Oder ihr kennt jemanden der Katzen liebt und dem ihr eine Freude machen wollt? Ich kann „Bob, der Streuner“ von James Bowen nur empfehlen. Es ist ein herzzereißendes Buch über einen dickköpfigen (echten) Kater und eine besondere Freundschaft – und zeigt, wie sensibel Katzen wirklich sind.

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Inhalt: James Bowen schreibt über eine außergewöhnliche Episode seines eigenen Lebens: Er ist ein drogenabhängiger Straßenmusiker, gerade erst der Obdachlosigkeit entronnen, kämpft mit dem Entzug. Wie ein Hoffnungsschimmer taucht der Kater Bob in seinem Leben auf, auch wenn James Bowen noch nicht erkennt, was ihm der kranke Kater einmal bedeuten wird. Er päppelt ihn auf und versucht, den gesunden Streuner wieder in die Freiheit zu entlassen. Bob sieht das aber anders und bleibt bei James Bowen, geht mit ihm an seine „Arbeitsplätze“ – und macht ihn so berühmt. Auf der ganzen Welt spricht es sich herum: Da gibt es einen Straßenmusiker, auf dessen Schulter sitzt ein prächtiger Kater. Menschen kommen vorbei, machen Fotos, bringen Bob Geschenke mit. Und weil James Bowen nun jemanden hat, für den er da sein muss, bekommt er sein eigenes Leben in den Griff.

Meine Meinung: Ich liebe Katzen. Und Bob liebe ich ganz besonders. James Bowen hat mich mit seiner Geschichte berührt. Ich habe das Buch in wenigen Stunden geradezu verschlungen. Es ist einfühlsam, emotional und zeigt auf besondere Weise die Beziehung zwischen Mensch und Tier – und wie wichtig und einfühlsam Tiere sein können, um den Menschen wieder auf den richtigen Weg zu verhelfen, ihnen neuen Lebensmut zu geben. Wer Katzen mag, sollte Bob lesen und wird ihn lieben.

Weitere Titel:
Bowen, James: Bob und wie er die Welt sieht
Bowen, James: Ein Geschenk von Bob

Nebelkind – Wenn Kinder zu Mördern ausgebildet werden

Spannende Krimis passen prima in den Leseherbst: Draußen wird es dunkel, düster wird es im Buch. Da tauche ich gerne, eingekuschelt und mit Tee ausgerüstet, in die Abgründe der Menschheit ein. Diesmal geht es um skrupellose Menschen, die Kinder zu Killermaschinen „umprogrammieren“….

Inhalt: Ein neunjähriger, völlig unbekannter Junge wird zum Mörder. Er erschießt den Leiter des Amtes für Migration. Aber Warum? Bevor die Ermittler den Jungen finden und befragen können, wird er tot aufgefunden. Und das ist ziemlich perfide: Der Junge wurde offenbar jahrelang misshandelt – und im Nacken trägt er den Namen „Thanatos“, den Namen einer griechischen Todesgottheit. Das verstört die ermittelnde, sonst so kühle Staatsanwältin, die keine Erinnerung an ihre Kindheit hat. Denn auch sie trägt einen solchen griechischen Namen in den Nacken eingeritzt. Auf eigene Faust beginnt sie, zu ermitteln – nicht nur in dem Mordfall Hans Juhlen und „Thanatos“, sondern vor allem in ihrer eigenen Vergangenheit. Wo kommt sie her? Was bedeuten ihre Albträume? Wer waren ihre Eltern? Nach und nach kommen die Erinnerungen zurück – und offenbaren die grausame Geschichte eines verängstigten Flüchtlingskindes.

Meine Meinung: Die Geschichte liest sich flüssig – und fesselt sofort. Denn ein mordendes Kind? Vielleicht sogar eine ganze mordende Kinderarmee? Der Gedanke ist schon ziemlich perfide und erschreckend. Gut verwoben sind verschiedene Kapitel mit Rückblicken, mit den Ermittlungen der Polizei und den Ermittlungen der Staatsanwältin Jana Berzelius. Ich habe schnell eine gewisse Sympathie – oder zumindest Mitgefühl – für einige Charaktere entwickelt, trotz vertuschter Morde und einer kühlen, unnahbaren Arroganz. Die Auflösung des Falles, bzw der Fälle, ist kompliziert und teilweise sehr überraschend.das Miträtseln und Mitfiebern lohnen sich also.

Angenehm finde ich den sehr schnörkellosen Erzählstil von Emelie Schepp. Er macht das Buch sehr gut lesbar und verzichtet (meistens) auf unnötige Längen. Manchmal hätte ich mir sogar ein paar Details mehr gewünscht.

Fazit: Ein lesenswerter und spannender Skandinavien-Thriller mit aktuellem Bezug zum Thema Flüchtlinge und Migration, einer ungewöhnlichen Geschichte und einem gelungenen Aufbau.

Nebelkind von Emelie Schepp

Nebelkind von Emelie Schepp

Wild Cards – Das Spiel der Spiele

Eine Castingshow im Stil von Dieter Bohlens „Deutschland sucht den Superstar“, garniert mit ein bisschen „Big Brother“ – allerdings mit echten Superhelden, die ziemlich ungewöhnliche Tricks draufhaben: Die Idee von George R.R. Martin und seinen Autorenkollegen mochte ich auf Anhieb. Teil zwei wartet schon in meinem Bücherregal.

Inhalt: Neben Menschen gibt es auch Joker und Asse, seit sich das Wild-Cards-Virus ausgebreitet hat. Die Joker wurden schrecklich entstellt, während die Asse verschiedene, teilweise ziemlich coole, manchmal aber auch nur sehr seltsame, Fähigkeiten haben. Lohengrin kann sich eine sehr nützliche unkaputtbare Rüstung heraufbeschwören, Curveball kann Dinge schleudern und deren Flugbahn lenken, während Jonathan Hives sich in einen Schwarm Wespen verwandeln kann. Die drei und noch viele andere Asse haben sich für die Casting-Show „Americas Next Superhero“ beworben. Sie zeigen ihr Können in verschiedenen Prüfungen. Aber nicht nur die teilweise kniffligen Gruppentests werden mit der Kamera begleitet. Alle Teilnehmer werden rund um die Uhr in der Superhelden-Villa gefilmt. Dramen, jede Menge Show und kleine Liebesgeschichten nicht ausgeschlossen. Bei der Sendung geht es um so viel Ruhm und Geld, dass die Superhelden-Anwärter schon fast vergessen haben, was einen Helden ausmacht. Und so lassen einige Teilnehmer die Show sausen und fliegen nach Ägypten. Denn dort werden Joker gejagt und umgebracht. Dort beweisen die Helden-Anwärter sich im echten Kampf.

Meine Meinung: Es geht um Superkräfte und Reality-TV, was mich dazu brachte, dieses Buch zu kaufen. Und mittendrin? Zack – plötzlich geht es um Ethik, Moral und echtes Heldentum. Ziemlich unerwartet, aber sehr gut umgesetzt von den neun beteiligten Autoren.
Das Buch ist flüssig geschrieben und zieht sofort in die Handlung hinein. Durch die bekannten Casting-Show-Elemente hatte ich schnell eine Vorstellung von den Helden, der Handlung – bis zum völlig überraschenden Twist. Und überhaupt hat das Buch eine überraschende Aktualität: Krieg, Terror und Morde in Ägypten. Menschen werden gejagt und getötet, weil sie Joker sind und nicht den allgemeinen Vorstellungen entsprechen, sondern anders sind. Und die „westliche Zivilisation“ kümmert sich kaum um die Morde, sondern fiebert vor dem Fernseher mit, weil sie auf einen neuen Superhelden warten. Die Superhelden selbst merken aber plötzlich, dass die Show und das Geld keinen Helden ausmachen – sondern Einsatz für die Menschen, für ethische Ziele, für „das Richtige“.
Herausgegeben wurde „Wild Cards“ unter dem bekannten Autoren George R.R. Martin. Wer Fantasy a la „Das Lied von Feuer und Eis“ erwartet, würde aber enttäuscht werden. Das Buch ist gut, spannend, echt lesenswert – aber kein Fantasy-Epos dieser Klasse. Keine eigene Welt, sondern eben moderne Fantasy in der modernen Welt – aber irgendwie auch Sozialkritik.
Vergleichbar mit „Lied von Feuer und Eis“ ist allerdings der Stil der Kapitel: Jedes Kapitel widmet sich im Wechsel einem anderen Charakter. So lernt man alle Hauptfiguren aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. Das gibt ihnen Tiefe. Besonders spannend finde ich dabei: Jeder Charakter wird von einem anderen Autoren „betreut“ – und so entstehen wirklich ganz unterschiedliche Blicke auf die Handlung und die Konkurrenten.
Deswegen freue ich mich darauf, als nächstes mit dem zweiten Teil anzufangen.

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Endgame – Die Welt als gigantischer, mörderischer Spielplatz

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Eine grandiose Idee, modern umgesetzt: James Frey hat mit Endgame eine weltweite Schnitzeljagd ins Leben gerufen – nicht nur im Buch, sondern auch im Netz und in der Realität. Endgame – Die Auserwählten ist der spannende Auftakt zu einem ungewöhnlichen Buch-(virtuelle)-Realität-Projekt. Und es ist auf beiden Ebenen spannend: Wer es nur lesen will, kommt voll auf seine Kosten. Wer aber gerne tüftelt und komplizierte Rätsel knackt (und dabei noch einen Schatz finden will) ist bei Endgame genau richtig.

Aber worum gehts eigentlich?

  1. Die Welt ist überbevölkert.
  2. Menschen sollen sterben – aber welche?
  3. 12 Vertreter uralter Stämme werden seit Jahrtausenden Generation für Generation ausgebildet zu Spielern.
  4. Die Spieler sind intelligent, kampferprobt, mörderisch und bereit für das Endgame.
  5. Nur wer überlebt und das Rätsel der Außerirdischen knackt, kann sich und alle Mitglieder seines Volksstammes vor dem Tod retten.
  6. Alle anderen müssen sterben.

Soweit zum Buch. Aber worum gehts noch?

  1. Es gibt jede Menge Geld zu gewinnen.
  2. Es gibt Rätsel zu lösen – überall im Buch verstecken sich Krypto-Rätsel.
  3. Wer das Rätsel im jeweiligen Buch der Trilogie als Erster löst, bekommt 500.000 Dollar.
  4. Beim ersten Buch haben auch 9 Deutsche das Rätsel gelöst – leider zu spät.

James Frey hatte nicht nur eine geniale Idee, sondern diese auch gut umgesetzt.
Kapitel für Kapitel stellt er seine 12 Hauptcharaktere vor: Ganz normale Jugendliche, wie es scheint. Und ja: Das zeigt direkt, dass die Erzählperspektive nicht einseitig ist, sondern in jedem Kapitel der Fokus auf einem anderen Spieler liegt. Ich mag diese Erzählweise sehr gerne – sie eröffnet verschiedene Blickwinkel, stellt zahlreiche Charaktere und Handlungsstränge an unterschiedlichen Orten der Welt vor (Genau wie es bei Wild Cards oder Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin stilistisch gelöst ist). Richtig los geht es nach der Vorstellungsrunde allerdings erst nach rund 100 Seiten.

Die Charaktere: Sarah Alopay hält gerade die Abschlussrede vor ihren MItschülern in Omaha, als ein riesiger Komet abstürzt, viele Menschen tötet und noch mehr in Panik versetzt. Sarah wollte keine Spielerin sein, wollte nicht spielen – und ausgerechnet zu ihrer Zeit beginnt das große ereignis, auf das ihre Familie sich seit Hunderten von Jahren vorbereitet hat.

Jago Tlaloc gehört einem mächtigen Familienclan in Peru an. Er ist gnadenlos, für den Kampf trainiert. Und verbündet sich schließlich mit Sarah.

Es gibt den Hacker An Liu aus China. Mit seinen Tricks macht er es den Mitspielern ganz schön schwer – von seinem Computer aus.

Chiyoko ist eine Meisterin der japanischen Kampfkunst – und stumm. Aisling Koop ist eine ausgezeichnete Scharfschützin, Alice Ulapala aus Australien trifft zielgenau mit dem Bumerang.

Meine Meinung: Zwölf unterschiedliche Menschen, junge Kampfmaschinen, Rätselknacker, lässt Frey in seinem Spiel auf Leben und Tod aufeinander los. Was sich zunächst anhört wie eine Idee, die bei Tribute von Panem ausgeliehen ist, entpuppt sich aber als gnadenlose Schnitzeljagd, weitreichender als die Arena in Panem – und brutaler.
Die Spieler haben Tiefe, sind detailreich gezeichnete Charaktere – manche natürlich mehr als andere, aber es überleben auch nicht alle. Und manchmal stirbt jemand, dem Frey zuvor viel Raum und Tiefe gegeben hat. Völlig unerwartet – ein bisschen herzlos und plötzlich, wie bei George R.R. Martin in seinem Lied von Eis und Feuer.

Endgame ist flüssig zu lesen. Allerdings sollte man bei brutalen Morden und Blut nicht schwach werden. Die Gewalt könnte gerne etwas weniger ausgeprägt sein. Dennoch finde ich das Konzept des Buches (das um Serie und Film erweitert werden soll) sehr gut, ebenso wie die Story – eben eine packende Schnitzeljagd rund um den Globus mit ein bisschen James Bond und Lara Croft, ein bisschen Liebesgeschichte (aber nur ein ganz kleines bisschen) und ein paar kleinen Logikfehlern, die mich beim Lesen aber nichtso extrem gestört haben, dass das ganze Buch dadurch unlogisch würde.

Einen super Hingucker fand ich übrigens das goldene Cover. Es fällt sofort ins Auge. Da ich mir unbekannte Bücher ohnehin nur in die Hand nehme, wenn mir das Cover gefällt, hatte Endgame mich sofort in seinen Bann gezogen. Ich freue mich also sehr auf Band 2 Endgame – Die Hoffnung, das am 19. Oktober erscheint.

 

Lady Africa – Ein Stück „Jenseits von Afrika“

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Beryl Markham war eine außergewöhnliche Frau. Der Roman „Lady Africa“ von Paula McLain erzählt von dieser besonderen Frau und ihrem ungewöhnlichen Leben – allerdings kratzt sie mehr an der Oberfläche und lässt die intelligente und politisch interessierte Seite von Beryl Markham außer Acht. Vielmehr konzentriert sie sich auf die Affären, Skandale und das Leben in Afrika. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch über die Frau, die mit Karen alias Tanja Blixen befreundet war – der Autorin von „Afrika – dunkel lockende Welt“, auf dem der Film „Jenseits von Afrika“ beruht.

Inhalt: Beryl Markham wurde 1902 in Rutland geboren, zog 1904 mit ihren Eltern Charles und Clara Clutterbuck nach Ostafrika, welches 1920 zur britischen Kolonie wurde. Die Clutterbucks hatten dort eine eigene Farm, Beryls Vater war erfolgreicher Pferdetrainer. Sie selbst wuchs für damalige Verhältnisse sehr unkonventionell auf: Auf einer Pferdefarm, weit entfernt von der Stadt, der englischen Gesellschaft und deren strengen Konventionen, dafür unter Einheimischen und Arbeitern. Alleingelassen wird sie früh von ihrer Mutter, die sich in der Einsamkeit Afrikas nicht wohl fühlt und sich um ihren kränklichen Sohn sorgt. So wächst Beryl zunächst ohne jeglichen weiblichen Einfluss auf und in ungewöhnlicher Freiheit. Da wundert es nicht, dass sie schließlich aus ihrer ersten Ehe flieht, Freiheit sucht und selbst eine Ausbildung zur Pferdetrainerin macht.

Sie wurde sehr erfolgreich, verstrickte sich aber auch in einige Skandale. Schließlich begann sie eine Affäre mit Denys Finch Hatton, dem Geliebten von Karen Blixen. Als sie von ihm schwanger wird, flieht sie nach London, wo sie das Kind abtreiben lässt und später mit einem neuen Mann an ihrer Seite nach Afrika zurückkehrt. Er finanziert ihr eine Farm, ermöglicht ihr, wieder Pferde zu trainiern. Aber auch diese Beziehung hält nicht lange.

Schließlich ist Beryl Markham die erste Frau, die in Kenia einen Flugschein erwirbt. Das Fliegen bleibt ihre große Leidenschaft, auch als ihre große Liebe bei einem Flug ums Leben kommt.

Meine Meinung: Es ist ein Leben voller Liebe, Leidenschaft, Gefahren und voller Rückschläge, Niederlagen und Schicksalschläge, das Beryl Markham lebt. Ein Leben, fast zu bunt für die Realität und daher wie geschaffen für einen Roman, wie ihn Paula McLain geschaffen hat. Sie bringt die Gefühle, den Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit und das enge Korsett der englischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts eindringlich rüber, zeichnet glaubhafte und interessante Charaktere – und ließ mich mit Beryl Markham mitfiebern. Mit dieser starken Frau, die nach unzähligen Rückschlägen immer wieder aufgestanden ist und von vorne angefangen hat.

Fazit: Absolut lesenswert, spannend und mitreißend. Ein facettenreiches Leben, spannend auf 464 Seiten zusammengefasst und farbenfroh erzählt.

Wissenswertes: Das Buch basiert auf Beryl Markhams eigenem Buch „Westwärts mit der Nacht“, das derzeit auf Deutsch allerdings leider nicht erhältlich ist.

Alle Farben Rot – Liebe, Politik und Blut in Indonesien

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Indonesien ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse – zum Glück. Denn so kommen deutsche Leser in den Genuß einiger Werke indonesischer Schriftsteller. Eines dieser Schätze ist „Alle Farben Rot“ von Laksmi Pamuntjak. Es erzählt die bewegende Geschichte einer noch jungen Nation, die im 20. Jahrhundert einiges mitgemacht hat: Diktatur und Demokratie, Kolonialzeit und Unabhängigkeit, Misstrauen, Unruhen und Religionsstreit. Wer romantische, leichte Lektüre sucht, ist bei dem Buch nicht ganz richtig. Es ist ein wunderbares, vielschichtiges und ein etwas anspruchsvolleres Buch. „Alle Farben Rot“ erzählt auf einfühlsame Weise und mit glaubhaften Charakteren, was Indonesien in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat.

Inhalt: Pamuntjak erzählt in „Alle Farben Rot“ von den politischen Entwicklungen in der Geschichte Indonesiens. Sie entfaltet die Geschichte der Nation in der Geschichte einer Frau, deren Leben von den politischen Unruhen nach dem Putsch des Generals Suharto bitter geändert hat. Amba war eine neugierige junge Frau vom Dorf, deren Eltern es ihr erlaubten, in Yogjakarta zu studieren. Ihre Eltern gaben ihr aber auch einen Verlobten an die Seite – und verliehen ihr selbst einen schicksalhaften Namen. Ist dieser Name schuld an ihrer Liebesgeschichte?

Denn Amba ist eine Frau aus der indonesischen Erzählung Mahabharata. Sie wird ihrem Verlobten vom Krieger Bhisma entrissen. Der Verlobte nimmt sie nicht zurück und auch Bhisma will Amba nicht zur Frau nehmen. So stürzt die junge Frau ins Unglück. Schließlich wird sie als Shrikandi wiedergeboren und tötet Bhisma aus Rache. Amba ist daher – lässt die Autorin den Leser wissen – bis heute kein beliebter Name in Indonesien, beschwört er doch eine böse Geschichte auf die Trägerin hinab.

Und so geschah es auch der Amba aus „Alle Farben Rot“, die einem Salwa versprochen wurde, sich jedoch in einen Bhisma verliebte. Sie genossen die gemeinsame Zeit, vergaßen alles um sich herum – außer die Politik. Bhisma hatte Verbindungen zu kommunistischen Verbindungen, studierte selbst in Ost-Berlin. So kam es, dass er mit Amba bei der Beerdigung eines „linken“ Freundes war, als Unruhen ausbrachen. Bhsima wurde festgenommen und kam ohne Prozess ins Gefängnis und schließlich auf die Gefangeneninsel Buru. Amba verlor ihn aus den Augen, erfuhr nichts über sein Schicksal – bis eines Tages eine Mail sie über dessen tod aufklärt. Und so macht Amba sich auf, um alles über ihren Geliebten zu erfahren, sein Leben zu rekonstruieren – und nach 40 Jahren endlich mit der Vergangenheit abzuschließen.

Fazit: „Alle Farben Rot“ ist ein Buch voller Farben und Facetten. Laksmi Pamuntjak gelingt ein einfühlsames Portrait einer jungen Nation und einer beeindruckenden Frau, die ihre große Liebe verlor. Wie nebenbei habe ich während des Lesens einiges gelernt über die Geschichte und die Mythologie Indonesiens – etwa das große Epos Mahabharata oder die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen oder den Putsch von Suharto und die Folgen für eine gesamte Nation.