Tag-Archiv | Wild cards

Wild Cards – Das Spiel der Spiele

Eine Castingshow im Stil von Dieter Bohlens „Deutschland sucht den Superstar“, garniert mit ein bisschen „Big Brother“ – allerdings mit echten Superhelden, die ziemlich ungewöhnliche Tricks draufhaben: Die Idee von George R.R. Martin und seinen Autorenkollegen mochte ich auf Anhieb. Teil zwei wartet schon in meinem Bücherregal.

Inhalt: Neben Menschen gibt es auch Joker und Asse, seit sich das Wild-Cards-Virus ausgebreitet hat. Die Joker wurden schrecklich entstellt, während die Asse verschiedene, teilweise ziemlich coole, manchmal aber auch nur sehr seltsame, Fähigkeiten haben. Lohengrin kann sich eine sehr nützliche unkaputtbare Rüstung heraufbeschwören, Curveball kann Dinge schleudern und deren Flugbahn lenken, während Jonathan Hives sich in einen Schwarm Wespen verwandeln kann. Die drei und noch viele andere Asse haben sich für die Casting-Show „Americas Next Superhero“ beworben. Sie zeigen ihr Können in verschiedenen Prüfungen. Aber nicht nur die teilweise kniffligen Gruppentests werden mit der Kamera begleitet. Alle Teilnehmer werden rund um die Uhr in der Superhelden-Villa gefilmt. Dramen, jede Menge Show und kleine Liebesgeschichten nicht ausgeschlossen. Bei der Sendung geht es um so viel Ruhm und Geld, dass die Superhelden-Anwärter schon fast vergessen haben, was einen Helden ausmacht. Und so lassen einige Teilnehmer die Show sausen und fliegen nach Ägypten. Denn dort werden Joker gejagt und umgebracht. Dort beweisen die Helden-Anwärter sich im echten Kampf.

Meine Meinung: Es geht um Superkräfte und Reality-TV, was mich dazu brachte, dieses Buch zu kaufen. Und mittendrin? Zack – plötzlich geht es um Ethik, Moral und echtes Heldentum. Ziemlich unerwartet, aber sehr gut umgesetzt von den neun beteiligten Autoren.
Das Buch ist flüssig geschrieben und zieht sofort in die Handlung hinein. Durch die bekannten Casting-Show-Elemente hatte ich schnell eine Vorstellung von den Helden, der Handlung – bis zum völlig überraschenden Twist. Und überhaupt hat das Buch eine überraschende Aktualität: Krieg, Terror und Morde in Ägypten. Menschen werden gejagt und getötet, weil sie Joker sind und nicht den allgemeinen Vorstellungen entsprechen, sondern anders sind. Und die „westliche Zivilisation“ kümmert sich kaum um die Morde, sondern fiebert vor dem Fernseher mit, weil sie auf einen neuen Superhelden warten. Die Superhelden selbst merken aber plötzlich, dass die Show und das Geld keinen Helden ausmachen – sondern Einsatz für die Menschen, für ethische Ziele, für „das Richtige“.
Herausgegeben wurde „Wild Cards“ unter dem bekannten Autoren George R.R. Martin. Wer Fantasy a la „Das Lied von Feuer und Eis“ erwartet, würde aber enttäuscht werden. Das Buch ist gut, spannend, echt lesenswert – aber kein Fantasy-Epos dieser Klasse. Keine eigene Welt, sondern eben moderne Fantasy in der modernen Welt – aber irgendwie auch Sozialkritik.
Vergleichbar mit „Lied von Feuer und Eis“ ist allerdings der Stil der Kapitel: Jedes Kapitel widmet sich im Wechsel einem anderen Charakter. So lernt man alle Hauptfiguren aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. Das gibt ihnen Tiefe. Besonders spannend finde ich dabei: Jeder Charakter wird von einem anderen Autoren „betreut“ – und so entstehen wirklich ganz unterschiedliche Blicke auf die Handlung und die Konkurrenten.
Deswegen freue ich mich darauf, als nächstes mit dem zweiten Teil anzufangen.

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Endgame – Die Welt als gigantischer, mörderischer Spielplatz

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Eine grandiose Idee, modern umgesetzt: James Frey hat mit Endgame eine weltweite Schnitzeljagd ins Leben gerufen – nicht nur im Buch, sondern auch im Netz und in der Realität. Endgame – Die Auserwählten ist der spannende Auftakt zu einem ungewöhnlichen Buch-(virtuelle)-Realität-Projekt. Und es ist auf beiden Ebenen spannend: Wer es nur lesen will, kommt voll auf seine Kosten. Wer aber gerne tüftelt und komplizierte Rätsel knackt (und dabei noch einen Schatz finden will) ist bei Endgame genau richtig.

Aber worum gehts eigentlich?

  1. Die Welt ist überbevölkert.
  2. Menschen sollen sterben – aber welche?
  3. 12 Vertreter uralter Stämme werden seit Jahrtausenden Generation für Generation ausgebildet zu Spielern.
  4. Die Spieler sind intelligent, kampferprobt, mörderisch und bereit für das Endgame.
  5. Nur wer überlebt und das Rätsel der Außerirdischen knackt, kann sich und alle Mitglieder seines Volksstammes vor dem Tod retten.
  6. Alle anderen müssen sterben.

Soweit zum Buch. Aber worum gehts noch?

  1. Es gibt jede Menge Geld zu gewinnen.
  2. Es gibt Rätsel zu lösen – überall im Buch verstecken sich Krypto-Rätsel.
  3. Wer das Rätsel im jeweiligen Buch der Trilogie als Erster löst, bekommt 500.000 Dollar.
  4. Beim ersten Buch haben auch 9 Deutsche das Rätsel gelöst – leider zu spät.

James Frey hatte nicht nur eine geniale Idee, sondern diese auch gut umgesetzt.
Kapitel für Kapitel stellt er seine 12 Hauptcharaktere vor: Ganz normale Jugendliche, wie es scheint. Und ja: Das zeigt direkt, dass die Erzählperspektive nicht einseitig ist, sondern in jedem Kapitel der Fokus auf einem anderen Spieler liegt. Ich mag diese Erzählweise sehr gerne – sie eröffnet verschiedene Blickwinkel, stellt zahlreiche Charaktere und Handlungsstränge an unterschiedlichen Orten der Welt vor (Genau wie es bei Wild Cards oder Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin stilistisch gelöst ist). Richtig los geht es nach der Vorstellungsrunde allerdings erst nach rund 100 Seiten.

Die Charaktere: Sarah Alopay hält gerade die Abschlussrede vor ihren MItschülern in Omaha, als ein riesiger Komet abstürzt, viele Menschen tötet und noch mehr in Panik versetzt. Sarah wollte keine Spielerin sein, wollte nicht spielen – und ausgerechnet zu ihrer Zeit beginnt das große ereignis, auf das ihre Familie sich seit Hunderten von Jahren vorbereitet hat.

Jago Tlaloc gehört einem mächtigen Familienclan in Peru an. Er ist gnadenlos, für den Kampf trainiert. Und verbündet sich schließlich mit Sarah.

Es gibt den Hacker An Liu aus China. Mit seinen Tricks macht er es den Mitspielern ganz schön schwer – von seinem Computer aus.

Chiyoko ist eine Meisterin der japanischen Kampfkunst – und stumm. Aisling Koop ist eine ausgezeichnete Scharfschützin, Alice Ulapala aus Australien trifft zielgenau mit dem Bumerang.

Meine Meinung: Zwölf unterschiedliche Menschen, junge Kampfmaschinen, Rätselknacker, lässt Frey in seinem Spiel auf Leben und Tod aufeinander los. Was sich zunächst anhört wie eine Idee, die bei Tribute von Panem ausgeliehen ist, entpuppt sich aber als gnadenlose Schnitzeljagd, weitreichender als die Arena in Panem – und brutaler.
Die Spieler haben Tiefe, sind detailreich gezeichnete Charaktere – manche natürlich mehr als andere, aber es überleben auch nicht alle. Und manchmal stirbt jemand, dem Frey zuvor viel Raum und Tiefe gegeben hat. Völlig unerwartet – ein bisschen herzlos und plötzlich, wie bei George R.R. Martin in seinem Lied von Eis und Feuer.

Endgame ist flüssig zu lesen. Allerdings sollte man bei brutalen Morden und Blut nicht schwach werden. Die Gewalt könnte gerne etwas weniger ausgeprägt sein. Dennoch finde ich das Konzept des Buches (das um Serie und Film erweitert werden soll) sehr gut, ebenso wie die Story – eben eine packende Schnitzeljagd rund um den Globus mit ein bisschen James Bond und Lara Croft, ein bisschen Liebesgeschichte (aber nur ein ganz kleines bisschen) und ein paar kleinen Logikfehlern, die mich beim Lesen aber nichtso extrem gestört haben, dass das ganze Buch dadurch unlogisch würde.

Einen super Hingucker fand ich übrigens das goldene Cover. Es fällt sofort ins Auge. Da ich mir unbekannte Bücher ohnehin nur in die Hand nehme, wenn mir das Cover gefällt, hatte Endgame mich sofort in seinen Bann gezogen. Ich freue mich also sehr auf Band 2 Endgame – Die Hoffnung, das am 19. Oktober erscheint.